Über Felix Keller
- Leserprofil
Name: Felix Keller
Sprache: Deutsch
Stadt: Zürich
Land: CHE
Bücher: 6
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[ Buchtipp von Felix Keller ] Als erzähle er ein leichtes Märchen, schildert Italo Calvino ein Zwiegespräch zwischen Marco Polo und dem mongolischen Herrscher Kublai Khan. Das mongolische Reich erscheint Kublai Khan nur noch als eine Wüste hinfälliger und austauschbarer Daten. Das ist der Grund, weshalb er Polo ausgeschickt hat, die Städte des Reichs zu erkunden. Polo berichtet nun höchst Unwirkliches. Seine erzählten Städte scheinen aus Wünschen und Ängsten gebaut; sie hängen in den Lüften, wiederholen die Pläne der Gestirne am Himmel, besitzen zuweilen weder Decken noch Fußböden, wo sonst Luft ist, findet sich Erde und bevölkert werden sie von Menschen mit sonderlich fremd-bekanntem Verhalten. Gleichzeitig sind die Städte wie Träume von Erfahrungen des heutigen Alltags durchsetzt, von Straßenbahnen, Beschilderungen, Autoabstellplätzen, Imbissbuden.
Polos Städte meinen unsere Gegenwart. Sie existieren unsichtbar in den Köpfen, als Netz von Verweisen und Bezügen, stets mit einem Moment von Sehnsucht und Unerreichbarkeit belastet: aber erst so, das merkt Polos Zuhörer bald, lassen sie das Wirkliche hervortreten, aus der Wüste hinfälliger und austauschbarer Daten. Es gibt eine Ausnahme, eine Befürchtung: Die Stadt Trude. 'Du kannst abfliegen, wann du willst', wurde mir gesagt, 'aber du wirst zu einem anderen Trude kommen, das Punkt für Punkt gleich ist, die Welt ist überdeckt von einem einzigen Trude, das nicht anfängt und nicht aufhört, nur am Flughafen den Namen wechselt.'
Der Zerfall der Wirklichkeit antwortet der schwindenden Imagination, daran gemahnt Calvino in einem Buch, das seinesgleichen sucht.
[ Info ] Calvino, Italo: Die unsichtbaren Städte. Aus dem Ital. von Heinz Riedt.
dtv,
München, 2004 (orig: 1972)
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Genre: Roman
Stichworte: meisterhaft
Stil: leicht, experimentell
Empfohlen für: Reiselektüre
Sprachen (Buchtipp): Deutsch