Über Barbara Basting
- Leserprofil
Name: Barbara Basting
Sprache: Deutsch
Stadt: Zürich
Land: CHE
Bücher: 37
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[ Buchtipp von Barbara Basting ] Es heisst, der Roman sei auf Stalins Nachttisch gelegen. Fest steht, dass er schon bei seinem Erscheinen 1932 kontoverse Kritiken von den prominentesten Autoren provozierte. Die Namen reichen von Paul Valéry, der die "Reise ans Ende der Nacht" "genial und zugleich kriminell" nannte, über André Maurois, Leo Trotzki und Maxim Gorki bis zu Claude Lévi-Strauss (und all diese Kritiken sind 2005 auf französisch im Verlag 10/18 als Taschenbuch erschienen).
Die enorme Faszination des Buchs ist auch heute ungebrochen; und selbst wenn man weiss, dass Céline durch seine spätere antisemitische Haltung zu Recht ins Zwielicht geraten ist. Das Geniale - um auf Valéry zurückzugreifen - liegt in der illusionslosen, satirischen (im Tenor allerdings zynischen) Beschreibung des Lebenswegs eines gewissen Bardamu, der als Subalterner vom Kriegsdienst im 1. Weltkrieg über einen dreckigen Brotjob in den Diensten der Besatzer in den französischen Kolonien bis zur Flucht in die USA, wo er in den Ford-Werken am Fliessband arbeitet, so ziemlich alle Formen der modernen Unterdrückung und Ausbeutung, sei es durchs Militär, sei es durch die Kolonialmächte, sei es durch die Industrie erlebt. Der zweite Teil handelt von seiner Tätigkeit als Armenarzt - nicht nur hier gibt es Überschneidungen mit Célines Biografie - in den Vororten von Paris. Worin liegt das Kriminelle, das Valéry beobachtet? Darin, dass Céline eine der wohl schärfsten Analysen der so genannten bürgerlichen Gesellschaft als Terrain eines darwinistischen Kampfs der Stärkeren gegen die Schwächeren beschreibt. Kriminell ist das natürlich nur insofern, als Céline mit seinem negativen Menschenbild jeglicheAnsätze zu positivem Denken und zu Utopien untergräbt (weswegen ihn Stalin wohl gelesen hat, der Zyniker) - und insofern er sicher alles andere als ein versöhnliches Trostbuch verfasst hat. Es gibt übrigens Passagen, die hart zu lesen sind - allerdings auch solche, wo Célines Sarkasmus seine amüsanten Seiten hat. Ein Buch, das man nicht mehr weglegt.
[ Info ] Céline, Louis-Ferdinand: Reise ans Ende der Nacht.
Rowohlt (Taschenbuch),
Reinbek/Hamburg 2003 (1932)
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ISBN: 3-499-23658-3.
Genre: Roman
Stichworte: meisterhaft
Stil: spannend
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken, Information
Sprachen (Buchtipp): Deutsch