[ Buchtipp von Michael Stavaric ] "deine Fresse steht im Licht. warme Betonpfeiler Ecke eine Spanierin kommt nah, eine (geblähte) Handtasche, du hälst einen Augenblick den Rand, du siehst: im Dunkel ein (gebogener) Schwanenhals, durchgepaust" - endlich ist er also da, der neue Gedichtband von Hendrik Jackson.
Dem Autor ist etwas Wunderbares gelungen - eine (klammheimliche) Beschau von Lebenswelten, innen wie außen. Eindringlich sind seine Worte, unaufdringlich ihre Botschaft, die sich festsetzt, eine poetische Skizze hier, ein flüchtiger Hauch dort - und plötzlich steht sie da, mächtig im Raum, die Urbanität. Kaum umgeblättert, findet sich der Leser an der nächsten Straßenecke wieder, darüber der Himmel, dazwischen das Gemüt, eine ans Wort gebundene Sorgfalt des Dichters, genauer hinzusehen, auf die Häuser, Menschen, Lebensräume.
Hendrik Jackson ist einer der wenigen Dichter, die es verstehen, ihren Zeilen einen (wohl bedachten) narrativen "Drall" mit auf den Weg zu geben - und es ist eben dieser "Drall", der in unseren Köpfen letztendlich Freiräume schafft, wo sich Gelesenes richtig entfalten kann. Der Autor erzählt uns Geschichten, sie sind weder klinisch, noch bis zur Unkenntlichkeit reduziert, all seine im Zyklus enthaltenen Segmente sind organisch, lebensnah, schlüssig und stimmig.
"und nach jedem Schluck Pils, quillt Glück, verquollene Augen, Angst, sich zu bewegen, diese Hoheit aufzulösen. dann eine Gestalt wie von Moorlicht verschluckt (Froschauge) copyright by Teich.
Zeitgenössische Poesie vom Feinsten - bitte mehr davon!
[ Info ] Jackson, Hendrik: Dunkelströme.
Kookbooks,
2006
.