Über Beat Glogger
- Leserprofil
Name: Beat Glogger
Sprache: Deutsch
Stadt: Winterthur
Land: CHE
Bücher: 3
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[ Buchtipp von Beat Glogger ] Das Buch fesselte mich vom Anfang an, obschon es so ganz anders geschrieben ist, als das was ich sonst lese oder selbst schreibe. Eigentlich stehe ich auf schnelle Bücher, Saturday ist wohl das langsamste Buch, das ich je gelesen habe. Es beschreibt einen einzigen Tag im Leben des ziemlich erfolgreichen und mit seinem Leben zufriedenen Neurochirurgen Henry Perowne. Die ersten Sekunden seines arbeitsfreien Tages laufen über mehrere Seiten ab. Er steht morgens um vier auf, weil er nicht mehr schlafen kann und beobachtet, wie ein brennendes Flugzeug in Richtung Heathrow fliegt. Diese doch eher ungewöhnlich Begebenheit regt Perrowne zum denken an. Und der Leser merkt: dieses Buch wird sich hauptsächlich im Kopf des Neurochirurgen abspielen. So ist es dann auch. Aber was sich dieses begabte Hirn zusammendenkt ist höchst spannend und oft auch sehr amüsant.
Zufälligerweise gerät Perrowne auf dem Weg zum Squash-Spiel in die grösste Demonstration, die London je erlebt hat: die Friedenskundgebung gegen die Pläne Tony Blairs, sich dem Irak-Feldzug der USA anzuschliessen. Ein Anlass für McEwan (und Perrowne), über Terrorismus nachzudenken. Dass McEwan dabei die Anschläge auf die Londoner U-Bahn vorausgesagt hat, wird zwar in vielen Rezensionen hervorgehoben, scheint mir aber nicht die Faszination dieses Buches auszumachen.
Viel wichtiger für mich ist die Tatsache, dass in diesem Buch nur gerade an zwei Stellen etwas geschieht im Sinne von Aktion. Und trotzdem ist das Buch hoch spannend. Denn, was geschieht ist derart unvorhersehbar, aber gleichzeitig auch so logisch und so zwingend mit der Person und dem Leben von Henry Perrowne verknüpft, dass es geradezu genial ist. Ich halte mich beim selber Schreiben gerne an die Maxime von Dürrenmatt (in die 21. Anmerkungen zu Die Physiker):Die schlimmstmögliche Wendung ist nicht voraussehbar. Sie tritt durch Zufall ein. Nach der Lektüre von Saturday kann der einzige Schluss sein, dass der Zufall kein Zufall sein kann, sondern eine geradezu zwingend eintritt. Er wird einzig dadurch zum Zufall, weil unser Geist nicht fähig war, die Logik zu erkennen, bevor sie sich offenbarte. Nur schon wegen dieser zwei Stellen, lohnt es sich, das Buch zu lesen.
Und eine dritte Stelle krönt den Lesegenuss: Der Protagonist erscheint durchs ganze Buch hindurch als eigentlicher Gutmensch. Nicht im negativen Sinn, sondern durchaus als Positivum gemeint. So hat er wie jeder Mensch natürlich seine Macken, Kanten und Ecken, aber insgesamt meint er es gut und tut Gutes. Doch seine Güte beginnt einen dann doch etwas zu nerven, als der Neurochirurg notfallmässig in die Klinik gerufen wird, um einen Mann zu operieren, der zuvor seinen Schwiegervater Spitalreif geschlagen, seine Tochter sexuell missbraucht und seine Frau beinahe umgebracht hat. Wie leicht wäre es für den Chirurgen dann angesichts des offen daliegenden Gehirns sich am Übeltäter zu rächen. Ein kleiner Ausrutscher und der Mann wäre tot. Der gute Henry Perrowne verzichtet auf diese Schandtat und beginnt den Leser, wie gesagt, mit seiner Güte zu nerven. Bis uns der Autor auf den letzten Seiten enthüllt, warum der Chirurg auf einen fatalen Ausrutscher mit dem Skalpell im Gehirn des Kriminellen verzichtet hat. Er kennt das Geheimnis dieses Gehirns und weiss, dass es diesem Mann noch unzählige, qualvolle Jahre bescheren wird. Ihn auf dem Operationstisch zu töten, wäre geradezu eine Erlösung gewesen. Aber die wollte der Neurochirurg dem Peiniger seiner Familie nicht gönnen. Teuflisch gut.
[ Info ] McEwan, Ian: Saturday.
Diogenes,
Zürich 2005
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ISBN: 3257064942.
Genre: Roman
Stichworte: meisterhaft
Stil: spannend
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken
Sprachen (Buchtipp): Deutsch