Über Heidi Fenzl-Schwab
- Leserprofil
Name: Heidi Fenzl-Schwab
Sprache: Deutsch
Stadt: München
Land: DEU
Bücher: 5
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[ Buchtipp von Heidi Fenzl-Schwab ] Ich nehme die Idee von Klaus Zeyringer, der das Odyssee-Projekt Gronds als eine Art poetischen Staffellauf vorstellt, auf und beziehe sie auf die Leser, die hier auf meinem Foto den Textbeitrag Paul Wührs über den Dächern von Triest vor S. Giusto im September 2005 hören. Auf Seite 547 bis 584 können Sie ihn nachlesen.
Zu diesem Text folge ich einer Deutung Prof. Dr. Volker Hoffmanns im KLG (Das kritische Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur), das generell die beste, kurz gefasste Einführung in das Werk Paul Wührs gibt:
Die Heimkehr des Odysseus wird von Ithaka nordwärts nach Triest an die Grenze des Habsburgerreiches verlagert. Dort erfindet bzw. probt vor einer frühmittelalterlichen Kirchenkulisse der Renaissance-Literat und spätere Papst Enea Piccolomini, der zeitweilig Bischof von Triest war, ein modernes Theaterstück in schlimmster gestischer Stellprobenprosa, das die Heimkehr des Helden nach zwanzigjähriger Abwesenheit zum Thema hat und das von der Autor-Figur, die sich als Beobachter, Interviewer und Protokollant ausgibt, nachgeschrieben und kommentiert wird. Homers Odyssee wird dabei mit Piccolominis 1444 entstandener Novelle Euryalus und Lucretia. Geschichte zweier Liebender kombiniert. Aus den Textvorlagen wird als moderne Lesart eine völlige Desillusionierung des Heimkehrermythos entwickelt. Heimkehr stellt sich als großspuriges männliches Verhaltens- und Erzählmuster heraus. Der aus dubioser Abenteuerzeit heimkehrende Mann setzt sich brutal in seine alten materiellen und sexuellen Besitzrechte ein, unterdrückt die Wünsche der Frau, eliminiert die Rivalen, schließlich auch seine Partnerin und erfindet zum Ausgleich für die drohende Stagnation und Langeweile als männlich-genialische Kopfgeburt ein neues furchtbares Religions- und Moralsystem. Gegenüber der beweglichen Erfindungskunst des Enea Silvio und seines modernen Verschrifters bedeutet die Heimkehr des archetypischen Mannheros in die fixierende Religion den Tod der Poesie, weil Poesie nichts Positives anerkennt und im Stillstande der Bewegung (Hölderlin) agiert.
[ Info ] Grond, Walter (Hg.): Absolut Homer.
Droschl,
Wien, 1995
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ISBN: 3854204108.
Genre: Erzählende Prosa
Stichworte: innovativ
Stil: experimentell
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken
Sprachen (Buchtipp): Deutsch