Über Kirstin Breitenfellner
- Leserprofil
Name: Kirstin Breitenfellner
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 26
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[ Buchtipp von Kirstin Breitenfellner ] Der Titel klingt wie ein Ratgeber, aber das Buch von Alain Ehrenberg ist mehr. Es erklärt nicht die Psyche des Einzelnen, sondern einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel und gibt glücklicherweise keinerlei Ratschläge. Die Diagnose: Je mehr in den letzten 30 Jahren die Kategorien Schuld und Disziplin von Verantwortung und Initiative abgelöst wurden, desto weniger Neurotiker und desto mehr Depressive gab es. Denn: Sich befreien macht nervös, befreit sein depressiv. Ehrenberg beschreibt diese Verschiebung, ausgehend von Freud und Janet, anhand der Geschichte der Psychopharmaka, aber auch ihren Niederschlag im fachwissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs. Mit der Depression, der modernen Krankheit par excellende, Begleiterscheinung des ermüdenden Appells, man selbst zu sein, heißt es von nun an umgehen zu lernen, so Ehrenberg kann sich doch niemand sich allen Ernstes zurückwünschen in den disziplinierenden Kerker der alten Gesellschaftsordnung. Sein Buch versteht sich als Aufklärung, auch in politischem Sinn. Es leistet einen wichtigen Beitrag dazu, nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Zeit zu verstehen. Oder uns selbst in unserer Zeit. Ein echter Erkenntnisgewinn.
[ Info ] Ehrenberg, Alain: Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart.
Campus,
Frankfurt/New York 2004
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Genre: Anderes
Stil: gut verständlich
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken, Information
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
[ 25.02.06 - 19:41 ] [ Kommentar von Margit Strobl ] Die "Freien" leiden an der Freiheit der früher Unfreien, und die Unfreien leiden an ihrer eigenen Freiheit, weil sie nicht mehr wie früher bloß einer von oben diktierten Autorität gefallen müssen, sondern sich nun ZUERST eine Autorität suchen müssen, die sie lobt, wenn sie sich ihr unterwerfen, wodurch sie sich wertvoll fühlen dürfen. Umständlicher ausgedrückt: Nervös und depressiv werden jene Menschen, die aufgrund ihrer Stupidität/Obrigkeitshörigkeit und ihrem Unvermögen selbst zu denken feste Normen und Grenzen gewöhnt waren und auch brauchen, diese aber nun nicht mehr vorfinden. Keiner sagt ihnen mehr, was sie tun sollen und gleichzeitig werden sie auch nicht mehr dafür belohnt, wenn sie der Hundementalität folgen, und das macht Angst. Menschen, die auch früher schon selbstständiges Denken gewohnt waren werden aus einem völlig anderen Grund depressiv: Sie müssen sich nun den ganzen Meinungs-Mist anhören und auch noch tolerieren/akzeptieren, obwohl das Gegenteil oft schon seit Jahrzehnten bewiesen ist. Sie leiden also an der salonfähigen Dummheit der anderen.
[ 04.10.05 - 11:07 ] [ Kommentar von German Book Portraits Fotobot ] Aber ist nicht Paradigmenwechsel vielmehr der, dass Depressive gesellschaftsfähig geworden sind? Die hinzugewonnene Freiheit also zum offener Umgang mit Depressiven führte?
[ 28.09.05 - 11:41 ] [ Kommentar von Kirstin Breitenfellner ] ja, ehrenberg sieht einen zusammenhang zwischen einem mehr an freiheit und mehr depressiven - und geht darauf ausführlich ein.
[ 07.07.05 - 23:19 ] [ Kommentar von gingerbox ] mich würde interessieren: stimmen Sie der these zu, dass es die freiheit ist, die depressiv macht? oder, ohne das buch (noch) gelesen zu haben: was bedeutet es, sich selbst als objekt der gestaltung zu erleben? geht ehrenberg darauf ein?