Über Ulrike Matzer

Ulrike Matzer

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Name: Ulrike Matzer
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien/Paris
Land: AUT

Bücher: 23

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Pluton oder Die letzte Reise ans Meer

Schinnerl, Sebastian

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[ Buchtipp von Ulrike Matzer ] Mit einem Koffer Geld, Wein und Zigarren begibt sich der Banker Sauvegarder Richtung Ruhestand, eine Luxuspflegeanstalt. Absehbar ist bald: Dies stellt nur den Anfang vom Ende dar. Bis zum Finale allerdings sind dem Ich-Erzähler kecke Selbstermächtigungs- und Ausbruchversuche möglich – die zunehmend in Peinlichkeit und Demütigungen scheitern. Das Schlingern seines in der Tragikomik recht sympathischen Protagonisten ist dem Autor Vehikel, die Poetik eines Abgangs in kleinen Episoden zu entfalten.

Das Betagtenheim – ein geschlossenes System ähnlich der Sanatoriumswelt des „Zauberberg“, und ähnlich exaltiert die Personnagen: „lebtags Verstorbene“ oder terminale Fälle, wie Todgeweihte im Pflegejargon heißen. Eine Esoterik-Burg, in der wie in Plutons Totenreich Schatten ohne Fleisch und Bein herum zu geistern scheinen; Gesichte und Phantome, die sich auflösen und abdampfen. So (ver)west ein (un)toter Intimgeist im Zimmer Sauvegarders, als Widerpart im Spiegelgefecht gegen die eigene Selbst-Zerbröselung. Noch hält ihm die Männlichkeit seine Zigarre hoch, bei drohendem Kontrollverlust bietet die Börsenzeitung Halt. Im Zyklus von Hausse und Baisse geht es sinuskurvenartig auf und ab mit ihm, tendenziell aber stetig degressiv. Im Manövrieren zwischen verwegenen Erkundungen und Zermürbung unter Kontrolle und Isolation wirft es den Alten an die Banden. Dabei spielen sich Burlesken und groteske Dramolette ab; eigenartige Figuren flottieren als running gags durch den Roman.

Erzählt ist dieser sukzessive Niedergang in einer Sprache, die feststellt, was der Fall ist – und die gerade in der Einfachheit frappierend einprägsame oder schön schräge Bilder findet. Undurchschaubare Bilder auch, die zwischen Tatsächlichem und subjektivem Schein in Schwebe bleiben. Schinnerl gelingt nicht nur ein einfühlsamer, ja philosophischer Roman über das Altern, den Umgang mit Selbstentfremdung, demenzbedingtem Ich-Zerfall und nahem Tod. Was auffällt, ist die feine Arbeit an der Sprache. Das Vermögen, ohne Sentiment mit präziser Poesie Dichte herzustellen, gibt dem Buch eine Innigkeit, die es leuchten lässt.

[ Info ] Schinnerl, Sebastian: Pluton oder Die letzte Reise ans Meer. Residenz, Salzburg, 2005 . ISBN: 3-7017-1421-5.


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Stichworte: meisterhaft
Empfohlen für: Sprachgenuss
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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