Über Angelika Reitzer
- Leserprofil
Name: Angelika Reitzer
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 34
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[ Buchtipp von Angelika Reitzer ] Max Frisch, jene unheimliche Spiegelung (vor allem mit Montauk, aber auch als in Zürich lebender Autor) wäre nicht nötig gewesen, aber dessen Anwesenheit verstärkt noch die Sympathie für Franzettis Schriftstellerexistenz, den Erzähler oder besser: Protokollant dieser Passion mit Titel & Adresse Liliane: leidend, egozentrisch, unverbesserlich, auch nicht einsichtig wie Verlassene, zumal schreibende Verlassene (und das heißt genau, pedantisch, [selbst]beobachtend).
Dass eine Passion protokolliert wird, mag vielleicht widersprüchlich scheinen aber genau in diesem Spannungsfeld liegt eine der vielen, nicht immer genau benennbaren Stärken & Schönheiten dieses Textes. Der Held kann nur ungefähr in die Richtung zurückschauen, die diese Liebe einmal hatte & dabei feststellen, was heute ist: 2 Wagen von selber Bauart, aber unterschiedlicher Farbe, die eine Weile hintereinander herfahren bzw. eigentlich ja nur ein Stück derselben Strecke ein eingängiges Bild am Beginn für die gewesene Beziehung. Denn der eine (der bordeauxrote) Wagen kam von Norden, der andere (der grüne Kombi) von Süden. Und dahin werden sie wohl auch wieder gelenkt werden. Dass der Erzähler Nerbal sich einfach das Familienauto noch einmal in anderer Farbe gekauft hat, ist ein weiteres Bild für diese vergangene Leidenschaft
Zitate begleiten das Journal, werden wiederholt & verstärken, intensivieren an vielen Stellen etwas, das nicht ausgesprochen/hingeschrieben, so doch sehr im Raum steht Ein einziges Wesen fehlt dir und alles ist entvölkert. Nie wird kommentiert: Du hast mich ganz verloren. etwa: ein starker Satz, der nicht durch seine semantische Umgebung zurückgenommen oder geschwächt wird (wir wissen, was er bedeutet & dürfen ihm auch nachspüren), ebenso wenig stören Erklärungen weder für die Beziehung, die nach gemeinsamer Herkunft aus demselben Dorf & langer Bekanntschaft einmal geschlossen wurde, noch für die Trennung nach einer wesentlich kürzeren Zeitspanne die Poesie des Textes, jene ab- oder aufgeklärte Traurigkeit. Bin mir so als Leserin der Unabänderlichkeit gewiss, kann die verzweifelte Hoffnung des Erzählers ernst nehmen.
Passion, das Journal für Liliane erzählt aus der Sicht Nerbals die Trennung von seiner Frau, die von seinen Kindern kann oder will er nicht fassen, als sei er (noch) nicht dazu in der Lage. Geführt ist das Journal naturgemäß in der ersten Person, nur an wenigen Stellen wird über ihn, über Nerbal gesprochen, dann zum Beispiel, wenn nahe gelegt werden soll, dass er am Beginn des Textes nach Ligurien fährt, um möglicherweise genau dieses Tagebuch zu redigieren, seine Geschichte ohne Liliane. Das ist natürlich auch ein Text über das Schreiben & übers Lesen. Ein Text für Schreibende, aber auch für Lesende, ganz bestimmt.
Ein schönes Buch von bezauberndem Tonfall & Langmut, von einer Trauer, wie es nur große Texte über die Liebe (& verloren gegangene Leidenschaft) können.
[ Info ] Franzetti, Dante A: Passion. Journal für Liliane.
Haymon Verlag,
Innsbruck 2006
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ISBN: 3-85218-493-2.
Genre: Roman
Stichworte: ergreifend
Stil: satirisch
Empfohlen für: Sprachgenuss
Sprachen (Buchtipp): Deutsch