Über Zsuzsanna Gahse
- Leserprofil
Name: Zsuzsanna Gahse
Sprache: Deutsch
Stadt: Müllheim
Land: CHE
Bücher: 5
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[ Buchtipp von Zsuzsanna Gahse ] Über dieses 1000-Seiten-Werk, einem der Hauptwerke der Literaturgeschichte überhaupt, wurden schon Hunderte Seiten geschrieben, und alle Auslegungen, Überlegungen die den legendären Don Quijote betreffen, liegen wie eine zusätzliche Zeichnung über dem großen Roman, ohne ihn aus seinem interessanten Gleichgewicht zu bringen.
Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha so sieht der Ritter sich selbst, und so ist der wirkliche Titel des Werkes hat seinerseits alle für ihn erreichbaren Bücher über frühere Ritter gelesen, über ihre Tapferkeit und ihre zauberische Welt, so dass er das Rittertum vergangener Zeiten in der eigenen Gegenwart wiederbeleben will. Folglich zieht er in die Welt hinaus, zunächst allein, und er kämpft mit Problemen, die er sich selbst einbrockt, weil er die Wirklichkeit um sich herum nicht erkennt. Bevor er zum zweiten Mal aufbricht, gelingt es ihm, einen Knappen für sich zu gewinnen, seinen Nachbarn Sancho Pansa. Um den Schluß vorwegzunehmen: der sterbensmüde Don Quijote sagt sich vor seinem Tod von jeglichem Rittertum los. Er wendet sich also gegen das, was er sich früher erträumt hatte.
Die wichtigste Gestalt neben Don Quijote ist Sancho Pansa, und man kann den Roman auch so lesen (vielleicht sollte man das) dass er, ein einfacher, aufgeweckter Mann voller Herzensgüte, die Hauptfigur ist. Er ist auch derjenige, der seinen Herrn umbenennt, was Don Quijote sogar akzeptiert, und fortan heißt er Der Ritter von der traurigen Gestalt. Und während Don Quijote, der meist als Idealist verstanden wird, davon träumt oder zumindest davon spricht, den Armen und Benachteiligten zu helfen und die Liebe hoch zu halten, wobei er niemanden findet, den er liebt und eher Schaden anrichtet als hilft, gelingt es Sancho nicht selten, die Ideale seines Herrn zu verwirklichen.
Der Roman besteht aus zwei Büchern. Gleich zu Beginn des zweiten Buches lesen wir, dass das erste Buch weltweit berühmt sei und bereits in etliche Sprachen übersetzt wurde. Entsprechend verlaufen manche Begegnungen des Ritters in diesem zweiten Buch. Man erkennt ihn, huldigt ihm, spielt ihm Streiche. Der Trick, die Berühmtheit des Romans und seine Leserschaft in die Abenteuer einzubeziehen, ist nicht der einzige meisterhafte Kunstgriff in diesem Werk.
Manche Szenen des Don Quijote liefern Bilder, die man nicht wieder vergisst, und im Laufe der Jahrhunderte haben Künstler viele solche Szenen illustriert, unter ihnen Daumier, Grandville und Picasso. Die Abbildungen spiegeln tatsächlich einprägsame Situationen des Romans. Etwa Don Quijote auf seinem klapprigen Pferd Rosinante, Don Quijote, wie er gegen die Windmühlen kämpft, weil er sie für Riesen hält, oder er kämpft gegen ein kriegerisches Heer, das sich als Schafsherde erweist. Auch Dulcinea wurde wiederholt porträtiert, die Herzensdame des Ritters, die er im Leben nie wirklich gesehen hatte, und die nichts von ihm weiß. Und in den Abbildungen taucht auch Sancho Pansa immer wieder auf, da ist er ein dicker Mann, untrennbar von seinem Esel.
Dieser Sancho kennt Hunderte von Sprichwörtern, und während die alten Redewendungen in Don Quijotes Augen für die Einfalt seines Knappen stehen, stehen sie in Wirklichkeit eher für dessen Schlagfertigkeit und sein enormes Gedächtnis, denn Sancho merkt sich alles, alle Geschichten, die er an der Seite seines Herrn erlebt, er greift in die Geschichten sogar ein.
Die Ereignisse in den insgesamt 126 Kapiteln des Romans wird sich (im Gegensatz zu Sancho Pansa) niemand leicht merken können, auch nach dem zweiten und dritten Lesen nicht. Neben den tragischen Abenteuern des Ritters geht es um zahlreiche Nebenstränge, in denen zum Beispiel vom Los verschiedener Liebespaare erzählt wird, und diese Geschichten sind wesentliche Mosaiksteine für den Gesamtverlauf des Romans, zudem sind sie alle sehr prägnant, so dass man zunächst meint, sie nie wieder zu vergessen. Nur wird eine Erzählung durch die nächste und übernächste wie von Lawinen überrollt und verdeckt, was unter anderem zur barock üppigen Darstellungsweise von Cervantes gehört. In diesen üppigen Strukturen, die den Stil einer ganzen Epoche auf höchstem Niveau repräsentieren, konnte Cervantes zahlreiche Mitteilungen vor der Zensur seiner Zeit verstecken, für den aufmerksamen, bzw. aufgeklärten Leser retten. 1615 war das 1. Buch des Don Quijote erschienen, seitdem also liegt das große Gesamtwerk vor.
[ Info ] Cervantes, Miguel de: Don Quijote. Aus dem Span. von Ludwig Braunfels..
Artemis & Winkler,
München 1980
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Genre: Roman
Stichworte: meisterhaft
Stil: gut verständlich
Sprachen (Buchtipp): Deutsch