Über Villö Huszai
- Leserprofil
Name: Villö Huszai
Sprache: Deutsch
Stadt: Zürich
Land: CHE
Bücher: 7
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[ Buchtipp von Villö Huszai ] Mit der Formel Mann ohne Eigenschaften traf der österreichische Schriftsteller Robert Musil 1930 den Nerv seiner Zeit. Die gegenwärtige Diskussion um die Gehirnforschung demonstriert ihre Aktualität: Ob der Mensch im Kern individueller Geist oder letztlich doch nur unpersönliche Materie sei, ist gerade eine der falschen Alternativen, um die es in Musils Hauptwerk geht. Die fiktive Handlung spielt im letzten Jahr vor dem ersten Weltkrieg, aber verhandelt wird die Gegenwart des schreibenden Autors. Genau so praktizierte es auch Walter Benjamin: Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit dient dazu, sich mit Gegenwart und Zukunft zu beschäftigen. Doch wenn man Musils zweifellos übergelehrtes Buch mit Benjaminschem Ernst lesen würde, drohte man das Köstlichste zu verpassen: sein allgegenwärtiger Humor. Der unmittelbare Lesegenuss verdankt sich dabei zweifellos der bitterbösen Ironie, für die Österreich berühmt ist. Doch Musil nennt die seine eine konstruktive: Einen Trottel so darstellen, dass der Autor plötzlich fühlt: das bin ich ja zum Teil selbst. Wer das Buch in dem Geist liest, in dem es der Autor schrieb, wird womöglich die Zukunft nicht nur besser ver-, sondern auch mit mehr Herz bestehen können.
[ Info ] Musil, Robert: Mann ohne Eigenschaften.
Rowohlt,
Reinbek 1978 (orig. 1930/31)
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Genre: Roman
Stichworte: blitzgescheit
Empfohlen für: Reiselektüre
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
[ 26.09.10 - 15:51 ] [ Kommentar von Verena Mock ] Hoppla, ein Stück Zitat habe ich übersehen! Der Vergleich zu Professor Lindner lautet vollständig:
"..denn er erinnerte sich noch genau an die Vorliebe, die er als Knabe für die Geometrie besessen hatte, deren schöne, klug angelegte Beweise sich am Ende mit einem leisen Schnappen um die Wahrheit schlossen und ihm ein Vergnügen bereiteten, als hätte er einen Riesen in einer Mausefalle gefangen."
[ 26.09.10 - 15:43 ] [ Kommentar von Verena Mock ] Beim Wiederlesen des Romans bin ich öfter dort hängen geblieben, wo Musil Vergleiche macht. Habe nochmals gelesen, gestaunt, geschmunzelt. Die Bilder sind überraschend, neu, wirken aber nicht gesucht. Hier meine Lieblingsstelle über Professor Lindner, Agathes Verehrer in der Zeit, als sie nach der Trennung von ihrem Mann bei Ulrich lebt: „…denn er erinnerte sich noch genau an die Vorliebe, die er als Knabe für die Geometrie besessen hatte, deren schöne, klug angelegte Beweise sich am Ende mit einem leisen Schnappen um die Wahrheit schlossen, als hätte er einen Riesen in einer Mausefalle gefangen.“ (2. Band, „Der Tugut singt“) Ist das nicht schön? Ich höre das leise Klicken von Musils Sprachröntgenapparat, wie es die Mathematiker unter meinen Bekannten als im Grunde schlichte, von kindlichen Heldengeschichten faszinierte Gemüter entlarvt…
[ 27.02.06 - 13:53 ] [ Kommentar von Manfred Lagler ] Nicht zu Unrecht hat es Bruno Kreisky einmal als sein Lieblingsbuch bezeichnet, weil es einfach sehr wertvoll ist, ist es auch mein beliebtestes Hörbuch!!!
[ 25.02.06 - 21:45 ] [ Kommentar von Margit Strobl ] Spitzenmäßige Kritik, sehe ich auch so. Und was die Aktualität betrifft: zeitlos, antizipativ, gegenwartsbezogen, vergangenheitsverstehend und überhaupt einer, wenn nicht DER österreichische Schriftsteller. I am loving him!
[ 17.02.06 - 12:17 ] [ Kommentar von Margit Strobl ] Es gibt tatsächlich Männer mit Eigenschaft? Ich dachte, die wären im letzten Jahrhundert ausgestorben...
[ 07.07.05 - 23:11 ] [ Kommentar von gingerbox ] spitzenmäßige kurzkritik. ich hab das buch gerade selbst gelesen und hier reingestellt. vielleicht möchten Sie hier oder bei mir drüben schreiben, wie Ihre leseerfahrung war? das würde mich nicht nur sehr interessieren, sondern auch außerordentlich freuen :-)