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[ Buchtipp von Anne Wagner ] Beeindruckt hat mich an diesem Buch vor allem die Erzählweise: Satzgebilde, die Gedankensprüngen sehr nah kommen. Dadurch bekommt man einen viel tieferen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistin, man durchlebt die Erzählung und das Schicksal Kassandras quasi am eigenen Leib.
Die Tragik ihres Lebens besteht darin - immer wieder in abgewandelter Form - dass sie Zusammenhänge, vor allem psychologischer Art, erstaunlich klar erkennt, diese Erkenntnis aber weder ihr noch den darin verwickelten Personen nützt, da letztere ihr nicht glauben und auf sie hören wollen.
Dieser Vorgang setzt dann wiederum zwei Entwicklungen in Gang: einmal die Ausbildung eines gewissen Hochmutes und die Suche nach einer alternativen Gruppe/Lebensgemeinschaft bei ihr selbst und andererseits immer stärkere Anfeindungen und Übergriffe von Seiten der Anderen (größtenteils von ihrer eigenen Familie und ihrem Vater, König Priamos).
Alles gipfelt dann in der grausemen Erfahrung des Trojanischen Krieges und Trojas Untergang, dessen Vorhersage durch Kassandra auch niemand Glauben schenken wollte.
Ich habe dieses Buch in einem Zug durchgelesen; das Lesen entwickelt sich irgendwann zu einer Art Prozess der Selbsterkenntnis.
[ Info ] Wolf, Christa: Kassandra.
Luchterhand,
ISBN: 3630620736.
Genre: Roman
Stichworte: tiefgehend, Selbstkritik, erschreckend, ungewöhnlich, beeindruckend
Stil: spannend
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken
Sprachen (Buchtipp): Deutsch