Über Felix Keller
- Leserprofil
Name: Felix Keller
Sprache: Deutsch
Stadt: Zürich
Land: CHE
Bücher: 6
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[ Buchtipp von Felix Keller ] Die Suche nach einer Sprache, die bestehende Grenzen überwindet, gewinnt in Zeiten der weltumspannenden elektronischen Verknüpfung an Brisanz. Was sich nicht englisch gibt, ist marginal im globalen Dorf. Die elektronischen Übersetzungsmaschinen bleiben Karikaturen ihrer selbst.
Umberto Eco zeigt in seinem Werk, eine Art kommentierendes Begleitwerk zu seinem Krimi Das Foucaultsche Pendel, dass das Begehren nach einer umfassenden Sprache so alt ist wie die Zivilisationsgeschichte selbst. Konzentrierte sich die Suche zunächst auf eine ursprüngliche gemeinsame Sprache der Menschheit, seit Babylon verloren, mehrten sich in der Geschichte die Versuche, eine perfekte Sprache eigentlich zu kreieren. Ein solches Projekt umfasst mehr als die Etablierung eines umfassenden Codes wie etwa die Morseschrift, die lediglich bestehende Sprache transportiert oder die Kreation einer geheimen Schrift, die eine Form exklusiver Transformation darstellt. Das Unterfangen der künstlichen Sprache, soll es ernst genommen werden, greift tief in die sprachliche Struktur selbst ein, die gleichsam universalisierend neu erfunden werden muss. Eco liefert ein ganzes Panoptikum dieser Versuche und wie kaum anders zu erwarten, schildert er genüsslich die teils bizarren Unterfangen, meist ohne jede Chance auf Etablierung. Es lässt sich wohl verzeihen, dass er, seines Zeichens Mediatevist, die Ideen des Mittelalters schillern lässt, während er bei den Versuchen der neueren Zeit teils ins Kursorische abrutscht oder Bedeutendes auslässt.
Gemäss Eco scheitern künstliche Sprache gemeinhin an zwei Problemen: der Tatsache, dass Zeichensysteme nicht individuell entworfen werden können (der pragmatische Aspekt) und der Verdrängung der Tatsache, dass Sprachen historisch gewachsene, keineswegs homogene Gebilde darstellen, die gerade dadurch ihre Leistungsfähigkeit bewahren. So verhalten sich die künstlichen Sprachen, funktionieren sie halbwegs, vor allem parasitär gegenüber den natürlichen Sprachen, ohne ein Eigenleben zu entwickeln. Tröstlich ist, dass das Problem der Dominanz einer Sprache wie heute des Englischen auch schon älter ist. Graf Antoine de Rivarol empfand im 18. Jahrhundert, als entsprechende Projekte sich mehrten, das Entwickeln einer Universalsprache als ganz und gar überflüssig, zumal schon eine perfekte Sprache existiere, nämlich das Französische. Dazu kann man, in den Worten einer anderen perfekten Sprache, nur sagen: "leb 2314 p 2477 & pf 2477"!
[ Info ] Eco, Umberto: Die Suche nach der vollkommenen Sprache (ital. La ricerca della lingua perfetta nella cultura europea, 1993).
C.H. Beck,
1995
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ISBN: 3 406 378889.
Genre: Wissenschaftliche Abhandlung
Stichworte: beeindruckend
Stil: lehrreich
Empfohlen für: Lehrstück
Sprachen (Buchtipp): Deutsch