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Barbara Basting

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Name: Barbara Basting
Sprache: Deutsch
Stadt: Zürich
Land: CHE

Bücher: 37

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Nadja

André, Breton

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[ Buchtipp von Barbara Basting ] «Nadja» (1928) von André Breton (1896-1966), dem Meisterdenker der Surrealisten, handelt tatsächlich von einer jungen gleichnamigen Frau. Der Autor begegnet ihr im Oktober 1926 als Flaneur in der Nähe der Pariser Oper. Es entspinnt sich kurzzeitig eine reichlich bizarr anmutende Beziehung, die wenig mit der erwartbaren Romanze zu tun hat.

Breton sieht Nadja nicht mit einem erotischen, sondern eher mit einem ethnologischen Blick: Sie verkörpert für ihn idealtypisch jene schöpferischen Prinzipien, die er 1924 in seinem berühmten «Ersten Surrealistischen Manifest» formuliert hatte. «La beauté sera convulsive ou ne sera pas» - die Schönheit wird konvulsiv sein, oder sie wird nicht sein, dieses viel zitierte surrealistische Credo liest man am Ende von «Nadja». Erst am Ende erfährt man allerdings auch, dass Nadja (für die es ein reales Vorbild gab) psychisch krank war; sie, die sich wie viele andere mittellose junge Frauen aus dem industriellen Pariser Norden mit Liebesdiensten durchzuschlagen versuchte, wurde kurz nach der für sie wohl eher enttäuschend verlaufenen Begegnung mit Breton in eine Anstalt eingewiesen, in der sie die restlichen Jahre ihres Lebens verbrachte.

Das Buch ist allerdings durchaus sperrig; bis es zur Begegnung mit Nadja kommt, hat der Leser schon eine von Breton 1962 hinzugefügte «Vor-Rede» zu absolvieren, in der er - wohl auch angesichts des realen Schicksals von Nadja - seinen distanzierten Blick auf sie zu erklären und zu rechtfertigen versucht. Hinzu kommt ein umfangreicher Prolog, in dem der Autor ausgehend von der Kernfrage «Wer bin ich» darstellt, wie er im Folgenden diese Frage zu klären gedenkt - nämlich anhand einer Schlüsselepisode aus seinem Leben, der Begegnung mit Nadja eben.

Breton erörtert aber zugleich auch die ästhetischen Mittel und Möglichkeiten einer literarischen Bearbeitung seines Stoffs; so plädiert er einmal mehr für die bedeutungsvolle autobiografische Anekdote, für die Ästhetik der Überraschung, für den Automatismus der Assoziationen und des Träumens, die im Idealfall in einen Automatismus des Schreibens münden. Er ruft also das ganze Arsenal der surrealistischen Produktionstechniken auf und wendet es zugleich selber an. Damit richtete er sich gegen damalige Konventionen des Romans. Gerade deswegen wirkt «Nadja» heute so spröd: Der Kontext, gegen den Breton seine Gedankenprosa entwarf, besteht so nicht mehr.
Zum experimentellen Charakter von «Nadja» gehören die 44 betont kunstlosen Fotografien, die Breton in den Text eingestreut hat. Sie zeigen hauptsächlich die Schauplätze der Begegnung mit der Titelfigur, aber auch kuriose Objekte und Personen, die im Text erwähnt werden. Breton zufolge sollten ihm die Fotografien Beschreibungen ersparen. Tatsächlich ging es mindestens so sehr um die Frage nach dem Verhältnis von Text und Bild in der Assoziationsmaschinerie. Damit sprach er ein Thema an, das bis heute, angesichts der Dominanz des Visuellen, an Brisanz nur gewonnen hat.

[ Info ] André, Breton: Nadja. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1998 . ISBN: 9783518222607.


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Stichworte: ungewöhnlich
Empfohlen für: Lehrstück
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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