Über Roland Innerhofer

Roland Innerhofer

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Name: Roland Innerhofer
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT

Bücher: 5

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Teil der Lösung

Peltzer, Ulrich

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[ Buchtipp von Roland Innerhofer ] „Entweder bist du Teil des Problems, oder du bist Teil der Lösung.“ Diese Alternative, die in linken, mit dem Terrorismus sympathisierenden Kreisen der frühen siebziger Jahre kursierte, ist bezeichnend für eine dualistische Sicht, welche die Welt strikt in Freunde und Feinde aufteilt und alle, die nicht die Feinde der Feinde sind, zu Feinden macht. Peltzers Roman spielt 30 Jahre später, im Berliner „Jahrhundertsommer“ 2003. Seine Figuren, seien sie Angehörige einer freischwebenden Intelligenz oder Mitarbeiter des Wach- oder Staatsschutzes, haben solche klaren Orientierungen verloren. So auch die Hauptfigur Christian, ein 36jähriger Akademiker, der sich mit Gelegenheitsschreibarbeiten mehr schlecht als recht durchschlägt. Was ihn interessiert, sind ehemalige Mitglieder der linken italienischen Terrororganisation Brigate Rosse, die vor zwanzig Jahren in Frankreich Unterschlupf gefunden haben und auf deren Auslieferung nun die Regierung Berlusconi drängt. Mit diesen von ihrer eigenen Geschichte eingeholten Menschen möchte er sprechen und eine Reportage über sie schreiben, kann aber kein Italienisch. Zufällig lernt er die 23jährige Studentin Nele kennen, sie schreibt ihre Dissertation über Jean Paul bei Christians Freund Jakob, der sich habilitiert hat und als Literaturdozent auf eine feste Stelle hofft. Mit ihren Italienischkenntnissen hilft Nele Christian bei seinen Recherchen. Sie verlieben sich ineinander, Nele verschweigt aber ihre Zugehörigkeit zu einer konspirativen Gruppe, die mit Sprühaktionen und Sabotageakten gegen die kapitalistische Konsumgesellschaft protestiert und auf die Kontrolle öffentlicher Räume durch Videokameras aufmerksam macht. In Paris, wo für das Liebespaar die Turbulenzen ihren Höhepunkt erreichen, erfährt Nele, dass sie ins Visier der Polizei geraten ist.
Peltzers Protagonisten führen ein haltloses, wirres Leben, aber dieses Chaos bereitet ihnen auch Lust. Getrieben sind sie vom „Erfahrungshunger“, der Michael Rutschky zufolge prägend für die siebziger Jahre war. Wie damals wird auch in Peltzers Berlin des beginnenden 21. Jahrhunderts das Politische im Privaten erfahren und das Private politisiert. Als Schnittstelle zwischen Politik und Privatleben zeigt sich im Roman die allgegenwärtige Überwachung, die besonders denen bedrohlich wird, die sie bekämpfen. Nichtanpassung wird aber auch ökonomisch sanktioniert: Geisteswissenschaft als Freiberuf bedeutet, am Rande des Existenzminimums zu balancieren. Aber gerade aus dieser Ungesichertheit speist sich die Intensität einer fragilen, berührenden Liebesgeschichte. Das ist poetische Gerechtigkeit.

[ Lieblingszitat ] "Die einzige Politik mit Aussicht auf Erfolg ist heute die, keine Angst vor der Flucht zu haben, den Fluchtlinien zu folgen, und nicht, sich brav in der Warteschlange einzureihen." (Ulrich Peltzer)

[ Info ] Peltzer, Ulrich: Teil der Lösung. Ammann, Zürich, 2007 . ISBN: 978-3-250-60113-5.


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Stichworte: berührend, spannend
Stil: durchsetzt mit feiner Ironie, lakonisch
Empfohlen für: Zuglektüre
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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Kommentare Chronologie wechseln

Wolfgang Straub

[ 11.09.08 - 18:48 ] [ Kommentar von Wolfgang Straub ] Eine schöne Rezension zu einem schönen Buch - obwohl mir Peltzers Schluss schon fast ZU schön war (hier finde ich Arno Raffeiners Einwand sehr treffen).


Arno Raffeiner

[ 10.01.08 - 10:55 ] [ Kommentar von Arno Raffeiner ] In der Tat ein tolles Buch, das ich mit viel Freude gelesen habe! Allerdings muss sich Peltzer vielleicht die Frage gefallen lassen, ob er all die Reizthemen wie Überwachung, Terrorismus einst und jetzt, prekäres Leben etc. zu bloßer Dekoration reduziert, wenn am Ende von seinem weit verzweigten Handlungsgeflecht nur mehr eine Liebesgeschichte übrig bleibt. Angesichts allmächtiger Kontrollinstanzen ein weiteres Plädoyer für den Rückzug ins Private?






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