Über Kirstin Breitenfellner

Kirstin Breitenfellner

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Name: Kirstin Breitenfellner
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT

Bücher: 26

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Der Gotteswahn

Dawkins, Richard

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[ Buchtipp von Kirstin Breitenfellner ] Das Problem, meint Richard Dawkins, seien nicht nur die Gläubigen, die im Moment lauter schreien als die nicht Gläubigen, mehr Aufmerksamkeit fordern und ihre Interessen besser durchsetzen, sondern auch die Gläubigen zweiter Ordnung: zumeist Intellektuelle oder Feuilletonschreiber, die, selbst nicht gläubig, dem Glauben der anderen übertriebenen Respekt zollen, ihn verehren wie Ethnologen einen alten Ritus und für erhaltenswert erachten aus einer Mischung aus Romantik und falsch verstandener Besorgnis um die Moral ihrer Mitmenschen. In seiner flammenden Rede wider den Glauben geht es Dawkins darum zu beweisen, dass man keinen Gott braucht, um gut und böse unterscheiden zu können. Sein Buch ist ein durchdachtes, gut argumentiertes Stück Debattenkultur - und nicht annähernd so aggressiv, wie immer dargestellt.

Dawkins möchte das Bewusstsein dafür schärfen, dass Religion an sich (und nicht nur in ihren Auswüchsen) fundamentalistisch und dass im Gegenzug Atheist zu sein nichts ist, wofür man sich entschuldigen muss. Damit hebt er vor allem auf US-amerikanische Verhältnisse ab, wo, so seine vielleicht etwas pointierte Darstellung, Atheisten heute genau so diskriminiert werden wie Homosexuelle in den 50er Jahren und sich - besonders wenn sie Politiker oder gar Präsidentschaftskandidaten sind - nicht zu outen wagen. Die „neuen Atheisten“, die sich Brights nennen und zu deren führenden Köpfen Dawkins gehört, haben den unverhältnismäßigen Vorrechten der Religiösen bei Medien und staatlichen Institutionen in Diskussionen über Ethik jetzt den Kampf angesagt. Und damit auch dem Missbrauch von Religionsfreiheit als Freibrief für Vorurteile, schlechtes Benehmen und unlauteren Wettbewerb um die mediale Aufmerksamkeit sowie der angeblichen Verletzung religiöser Gefühle als Schutzschild vor Kritik.

Das zentrale, vierte Kapitel dreht sich um die Kernfrage des Glaubens: Gibt es einen Gott? Nach der geduldigen Entkräftung allerhand verdrehter Gottesbeweise - eine wahre Sisyphosarbeit, die Dawkins bravourös meistert - kommt er zu dem lapidaren Schluss: „Gott existiert mit ziemlicher Sicherheit nicht.“ Gott sei für die Erklärung der Entwicklung des Lebens und selbst eines so komplexen Wesens wie des Menschen seit Darwins Evolutionstheorie überflüssig, die Intelligent-Design-Theorie eine bloße Täuschung. Weniger überzeugend ist das fünfte Kapitel, in dem Dawkins über die Entstehung von Religion und deren evolutionäre Funktion spekuliert und dabei auf keinen wirklich grünen Zweig kommt.

[ Info ] Dawkins, Richard: Der Gotteswahn. (Sprache d. Buchs: Deutsch) Ullstein, Berlin, 2007 . ISBN: 3550086881.


Dieses Buch ist ...

Genre: Populärwissenschaftliches Sachbuch
Stichworte: Atheismus, Religion
Stil: gut verständlich
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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Kommentare Chronologie wechseln

Karin Harrasser

[ 17.03.08 - 14:25 ] [ Kommentar von Karin Harrasser ] Dieser Tipp hat mich nun doch neugierig gemacht. Wollte das Buch eigentlich nicht anrühren, weil es mir wie eine Neuauflage der science wars der 90er Jahre schien, in denen einmal mehr naturwissenschaftliches Wissen gegen alles was als "Kultur" firmiert (also auch Religion) in Anschlag gebracht wurde. Mir schienen auch aktuelle Auflagen der Diskussion, ob es aus wissenschaftlicher Sicht Gott geben kann/soll ziemlich langweilig (wie im Übrigen die ganze Debatte um "Intelligent Design"); aber eine Beschäftigung mit der neuen Religiosität, das interessiert mich. Mir scheint außerdem in Dawkins Haltung ein recht interessantes Paradox aufzutauchen: Einerseits argumentiert er für eine biologische Basis des menschlichen Verhaltens, andererseits ist sein eigenes Buch von einem wohl unbestreitbar "kulturellen" Konflikt angestoßen. Oder gibt es etwa auch ein Atheismus-Gen?






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