Über Kirstin Breitenfellner
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Name: Kirstin Breitenfellner
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 26
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[ Buchtipp von Kirstin Breitenfellner ] Es ist schon komisch, dass es über einen der wichtigsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts, Alfred Döblin, immer noch keine Biografie gibt, die diesem Mann gerecht wird: und zwar nicht nur seinem durch die äußeren Umstände bewegten Leben, sondern auch seinem noch viel bewegteren Geistesleben, das sich in der Bandbreite seiner Romane niederschlug - vom expressionistischen, klassenbewussten „Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine“ (1918) über das indische Versepos „Manas“ (1927) bis zum babylonischen Gott Konrad in „Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall“ (1934), von „Berge Meere und Giganten“ (1924) bis zu den Berliner Werken, dem epochemachenden „Alexanderplatz“ (1929) über den Möbeltransporteur Franz Biberkopf oder dem mehrbändigen „November 1918“ (1934–50) über die gescheiterte Revolution, von dem Historienschinken „Wallenstein“ (1920) bis zur „Amazonas“-Trilogie (1937/38) und schließlich zum Gipfelpunkt des „Hamlet“ (1956) über einen Kriegsheimkehrer.
In Ermangelung einer umfassenden, eben auch „geistigen“ Biografie des Autors, der sich mit Medizin, Psychiatrie, Geschichte (vom Dreißigjährigen Krieg über die Eroberung Lateinamerikas bis zur deutschen Revolution), mit der Philosophie vom Buddhismus bis zu Kierkegaard beschäftigte, mehrere Bände höchst streitbarer Essays und auch rein philosophische Werke wie „Das Ich über der Natur“ (1927) oder „Unser Dasein“ (1933) schrieb, muss einstweilen mit dem von Oliver Bernhardt verfassten, gut recherchierten, aber offensichtlich auf den Schulunterricht abzielenden dtv-Portrait vorlieb genommen werden. In bunten Kästen literarisches Grundwissen vermittelnd (Wer war Thomas Mann? Was ist ein Bildungsroman?), hangelt sich Bernhardt von Werk zu Werk, von Lebensstation zu Lebensstation und vermag durchaus Neugier für einen der vielseitigsten Autoren des 20. Jahrhunderts zu erwecken, der nicht nur im „Alexanderplatz“ „dem Volk aufs Maul geschaut“ hat, sondern dessen Stil immer noch frisch, frech und respektlos ist wie kaum einer der übrigen Klassiker. Aber wie das Leben dieses schwer zu fassenden Autors, der lieber im Kopf reiste als mit modernen Verkehrsmitteln, der immer wieder in Bibliotheken zu Weltreisen aufbrach und am Exil fast zerbrach, einst stark links stehend, später von einem säkularen Judentum zum Katholizismus konvertierte, mit seiner geistigen Entwicklung zusammenhängt – auf diese Darstellung muss weiter gewartet werden.
[ Info ] Bernhardt, Oliver : Alfred Döblin.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
dtv,
2007
( ).
ISBN: 3423310863.
[ 22.01.08 - 09:51 ] [ Kommentar von Paul Clement ] Auf das Buch "Semiopolis" von Erik Grimm sei hingewiesen, eine Studie der Großstadtliteratur von Rilke und eben Döblin bis zu den zeitgenössischen Metropolen-Texten von Steinwachs und Wühr. In diesem Buch wird die Aktualität der komplexen Denk- und Schreibweise Döblins gewürdigt.