Über Kirstin Breitenfellner

Kirstin Breitenfellner

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Name: Kirstin Breitenfellner
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT

Bücher: 26

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Nataschas Tanz

Eine Kulturgeschichte Russlands

Figes, Orlando

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[ Buchtipp von Kirstin Breitenfellner ] Orlando Figes’ zweiter Russland-Wälzer nach „Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924“ widmet sich dem Thema Kultur und macht vor allem dies deutlich: Eine notwendigere Geschichte als eine Kulturgeschichte kann es für Russland kaum geben. In keinem anderen Land nämlich war Kultur bestimmender für den Prozess der Selbstfindung, das nationale Selbstverständnis - und damit auch für die Geschichte.

Mit der Gründung von St. Petersburg auf den Sümpfen am Finnischen Meerbusen im Jahre 1703 entwickelte dieses sich, schwankend zwischen Minderwertigkeitskomplex und Sendungsbewusstsein, aus der Spannung zwischen europäisierten Oberschichten und russischen Bauern, dem luftigen St. Petersburg und dem bodenständigen Moskau, Europa und Asien. Westler, Slawophile und Skythen, Monarchisten und Liberale, Orthodoxe, Sektierer und Atheisten - im Streit um das „wahre Russland“ hatte jeder ein anderes Konzept. Klar war nur, dass es in der Kultur zu suchen und zu finden war.

Da es in Russland während der letzten 200 Jahre weder ein Parlament noch eine freie Presse gab, schreibt Figes, dienten die Künste als Forum für politische, philosophische und religiöse Debatten. „Der übergreifende Gegenstand all dieser Werke war Russland - sein Wesen, seine Geschichte, seine Sitten und Gebräuche, seine geistige Substanz und sein Schicksal. (…) Nirgendwo sonst wurde dem Künstler so unerbittlich die Pflicht aufgebürdet, ein moralischer Anführer und Prophet des Landes zu sein, nirgendwo sonst wurde er vom Staat mehr gefürchtet und verfolgt.“

Kunst und Kultur - mit diesen Begriffen hat Figes weniger den ästhetischen Wert als den Einfluss von Künstlern, Strömungen und Werken im Blick, die Ideen und Einstellungen, für die sie stehen. Bäuerliches Kunsthandwerk, die Rituale der sibirischen Schamanen, mongolische Traditionen oder kaukasische Trachten stehen auf diese Weise als Zeugnisse nationalen Selbstverständnisses in einer Linie mit den Gedichten Puschkins oder den Symphonien Schostakowitschs. Wenn auch „Nataschas Tanz“ nicht immer die Wucht und die atmosphärische Dichte der „Tragödie eines Volkes“ besitzt - die Fülle an Informationen, die unzähligen Anekdoten und klug ausgewählten Lebensgeschichten machen auch dieses Werk, geschrieben in bester angelsächsischer Wissenschaftstradition, zu einer spannenden Lektüre, die es wert ist, in den Kanon der Einführungswerke eingereiht zu werden.

[ Info ] Figes, Orlando: Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands. (Sprache d. Buchs: Deutsch) Berlin Verlag, 2003 . ISBN: 382700487X.


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Stichworte: Revolution, Geschichte, Russland
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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