Über Maike Schiller
- Leserprofil
Name: Maike Schiller
Sprache: Deutsch
Stadt: Hamburg
Land: DEU
Bücher: 1
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[ Buchtipp von Maike Schiller ] Es klingt fast wie der Titel eines fantastischen Kinderbuches: Jim Rakete kann die Zeit anhalten. Beides aber entspricht der Wahrheit: Der Name Jim Rakete steht tatsächlich genau so im Pass des Berliner Fotografen – und die Zeit anhalten kann er auch. Wenigstens eine Achtelsekunde lang, jenen „Wimpernschlag der klassischen Fotografie“, den er dann für die Ewigkeit einfängt. Einen „Vertrag mit den Portraitierten, die Zeit anzuhalten“ beschreibt Rakete die gegenseitige Verabredung auf diesen Moment. Und hat seinen neuen Fotoband danach benannt: "1/8 sec. - Vertraute Fremde" (Schirmer/Mosel, 128 Seiten, 68 Euro). Nichts weniger als den Menschen „wie er wirklich ist“ will Rakete einfangen und zeigen. Dem Fotografen, der in einem früheren Leben einmal Nena zur Sekretärin hatte und Nina Hagen managte, gelingt ebendies in geradezu verblüffender Selbstverständlichkeit. Plötzlich fallen dem Betrachter Martina Gedecks Sommersprossen auf, Oliver Kahns Junenhaftigkeit, Anne Wills energischer Schalk und Helmut Schmidts Alter. Jim Rakete bildet nicht das Image eines Stars ab – und Stars sind es immer, die er mit seiner Kamera „jagt“. In diesen Persönlichkeiten mit überdurchschnittlicher Ausstrahlung sucht er das Geheimnis ihrer Aura. Und findet und zeigt es, ohne es zu verraten. Das ist die Kunst der vorrangig in Schwarz-weiß gehaltenen Bilder – und gleichzeitig die Bescheidenheit dahinter. Raketes 191 Porträts von Schauspielern, Politikern, Sportlern oder Malern sind weder durch übertriebene Ehrfurcht geprägt noch durch gehässige Überheblichkeit. Er will niemanden bloß- oder aus-, sondern schlicht darstellen. Den Schauspieler Ulrich Matthes zum Beispiel, dessen irritierend stechenden Blick und dessen Bartstoppeln Jim Rakete mit einer solchen Schärfe und Prägnanz einfängt, dass sie durch das dicke Papier des Bildbandes hindurchzupieksen scheinen. Die jungen und weichen Gesichter der Schauspielerinnen Cosma Shiva Hagen und Jana Pallaske wirken noch weiblicher und trotziger, der bärtige Klaus Maria Brandauer noch ein bisschen furcheinflößender, Til Schweiger noch ein wenig kantiger, der Dramatiker Moritz Rinke noch etwas schlonziger. „Larger than life“ nennt Rakete das, größer als das Leben selbst. Was eitler klingt, als es vermutlich gemeint ist. Eigentlich ist „1/8 sec.“ vor allem ein prima Coffee Table Book – kommunikativ wie kein zweites, denn es gibt darin kaum jemanden, den man nicht gern neugierig etwas länger und genauer anschaut, durch Jim Raketes analoge Kamera hindurch, in die der Portraitierte auf vielen Bildern unverblümt zurückblickt. Begriffe wie „Ewigkeit“ und „Nostalgie“ kann man dafür bemühen, muss es aber eigentlich gar nicht. Jim Rakete kann eben die Zeit anhalten. Seine Bilder sind, wie Katharina Thalbach es ein wenig unromantisch, und doch so passend lakonisch formuliert, „die Konserven, die irgendwann von uns übrig bleiben“.
[ Lieblingszitat ] Die Achtelsekunde schien mir wie der Wimpernschlag der klassischen Fotografie zu sein.
[ Info ] Rakete, Jim: 1/8 sec. .
Vertraute Fremde.
Schirmer/Mosel,
München, 2008
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ISBN: 978-3-8296-0296-9.
Genre: Bildband
Stichworte: Zeitdokument
Sprachen (Buchtipp): Deutsch