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Leo Perutz

Biographie

Müller, Hans-Harald

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[ Buchtipp von Ulrich Baron ] Unter den alten Österreichern ist Leo Perutz (1882-1957) immer der modernste gewesen. Er hat es sich bloß nicht anmerken lassen, doch in Hans-Harald Müllers Biographie merkt man es ihm an. Der phantastische Kosmos des Leo Perutz ist eine Welt des „Als ob“ und der Self-Fullfilling-Prophecy, die auch in Zeiten virtueller Realitäten fasziniert. Auf die populäre Verbindung von Kunst und eigenem Leben aber hat sich der Sohn einer jüdischen Unternehmerfamilie nie einlassen wollen. „Bitte schreiben Sie nichts über mich und alles über meine Romane!“, bat er einmal.

Über Kindheit und Jugend hat Perutz so gut wie nichts festgehalten. Erst im Spätwerk „Nachts unter der steinernen Brücke“ finden sich Reminiszenzen an seine Geburtsstadt Prag. Seit 1901 lebte Perutz in Wien, von wo man ihn 1938 nach Palästina vertrieb. 1915 debütierte er mit dem historisch-phantastischen Roman „Die Dritte Kugel“. Dessen Held leidet unter Gedächtnisverlust und sieht seine brüchige Identität mit der Eroberung Mexikos durch Hernán Cortés verknüpft. „Er war ein Träumer und ein Narr“ heißt es über den Titelhelden des „Turlupin“ (1923). Dieses Buch zeigt, daß die Französische Revolution schon 1642 hätte stattfinden können - wenn ihr nicht jener Turlupin in die Quere gekommen wäre. Der war ein Findelkind aber hielt sich für den verlorenen Sohn eines adligen Hauses.

Perutz selbst hatte keine Identitätsprobleme. Als Autor war er erfolgreich, doch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland verschloss ihm den wichtigsten Markt. Dem Anschluss Österreichs entkam er nach Palästina; die Gründung Israels hat er bedauert: „Mit Nationalgefühl beginnt’s, und mit Cholera und Ruhr und Diktatur endet es.“ Er selbst hatte „am Gemüsemarkt einen Kopfstreifschuss von einer englischen Polizeikugel“ erhalten. Solche verirrten Kugeln waren sein Markenzeichen. Seine letzte Europareise hat er genutzt, um daheim zu sterben und in Bad Ischl begraben zu werden. Das hätte er auch auf dem Papier nicht besser hinbekommen.

[ Lieblingszitat ] Kein Zweifel: Ginge es nach dem erklärten Willen von Perutz, so gäbe es keine Perutz-Biographie.

[ Info ] Müller, Hans-Harald: Leo Perutz. Biographie. (original language: Deutsch) Paul Zsolnay, Wien, 2007 . ISBN: 978-3-552-05416-5.


Dieses Buch ist ...

Genre: Biographie, Erinnerungen
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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