[ Buchtipp von Antje Flemming ] Wie ein Ornament aus einer arabischen Kalligrafie ist Rafik Schamis neuer, großer Roman. Er verzweigt, verästelt sich endlos, scheint sich zu verlieren beim Nachspüren des Schicksals dutzender Figuren und findet doch immer zu seinem Ursprung zurück: Die unmöglich scheinende Liebe zwischen Farid Muschtak und Rana Schahin - ganz so wie in der Damaszener Altstadt „einen auch die Gassen durch ihre unendlichen Verwinkelungen verwirren“ und unversehens doch wieder auf die „Gerade Straße“ zurückführen.
Seit drei Generationen kocht im Bergdorf Mala, das von katholischen und orthodoxen Christen und einigen Muslimen bewohnt wird, die Fehde zwischen den katholischen Muschtaks und den orthodoxen Schahins. Den ursprünglichen Konflikt erinnert keiner mehr genau, desto verbitterter und für viele todbringend tobt der Krieg der Sippen: „In den Bergen von Mala war alles drastischer. So wie der Thymian schärfer schmeckte, war auch die Feindschaft verbissener.“
Schami, dessen Name „der aus Damaskus“ bedeutet, hat seine Vaterstadt seit 33 Jahren nicht mehr betreten. Nur im deutschen Exil war es ihm möglich, über die „verbotene Liebe in Arabien“ zu schreiben. Dennoch erschafft er ein so lebenspralles Bild der syrischen Hauptstadt, dass man meint, den Jasmin riechen, die süßen Köstlichkeiten in Elias Muschtaks Konditorei schmecken und das Lachen der Frauen im Hammam hören zu können. Zwischen der Abbara-Gasse und der Saitun-Gasse, auf den steilen Gebirgspfaden zwischen Damaskus und Mala wird geliebt und gehasst, gekämpft und intrigiert, dass man den Koloss von einem Buch nicht mehr niederlegen möchte. Es ist Schamis Lebenswerk, wandern doch die Muschtaks und Schahins seit 1962 in seinem Kopf umher, mehr als ein Drittel Jahrhundert brauchte der „hoffnungsvolle Pessimist“, um sie zu befreien und das drei Generationen, neun Bücher, 110 Jahre und mehr als 300 Geschichten umspannende Epos niederzuschreiben.
[ Lieblingszitat ] „Jetzt dachte er an ihre Brüste. So etwas Schönes hatte er noch nie gesehen. Sie sahen nicht aus wie die oft in der arabischen Dichtung beschworenen Äpfel oder Granatäpfel, nein, Rana hatte Brüste, deren Brustwarzen wie die Spitzen einer Zitrone etwas nach oben und außen zeigten. Allein ihr Anblick machte ihn wild.“
[ Info ] Schami, Rafik: Die dunkle Seite der Liebe.
(original language: Deutsch)
Carl Hanser Verlag,
München, 2004
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ISBN: 3-446-20536-5.