Über Antje Flemming
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Name: Antje Flemming
Sprache: Deutsch
Stadt: Hamburg
Land: DEU
Bücher: 41
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[ Buchtipp von Antje Flemming ] „Mutterseelenallein“ - dieses Wort erfährt in Julia Francks Roman „Die Mittagsfrau“ einen ganz neuen Impetus, so ungeheuer ist die Tat, die die Autorin auf den ersten 28 Seiten erzählt: Ein blonder Siebenjähriger sitzt mit einem Koffer auf dem Bahnsteig in Pasewalk, allein. Es ist 1945, er ist auf der Flucht von Stettin nach Berlin. „Ich bin gleich zurück, wart hier“, befahl ihm seine Mutter. Es soll zehn Jahre dauern, bevor Peter Helene wieder sieht. Behutsam schildert der Roman auf knapp 400 Seiten das Verlöschen einer Frau, der Gaben in Hülle und Fülle in die Wiege gelegt wurden. In Bautzen wachsen Helene und die neun Jahre ältere Martha als Töchter einer jüdischen Mutter auf, die langsam im Wahnsinn verschwindet, weil sie im Ort immer nur „die Fremde“ blieb. „Blind am Herzen“ ist diese Mutter und der Vater an der Front. Zum Sterben kehrt er zurück, die Mädchen pflegen ihn. In Berlin lernt die autarke Helene Krankenschwester, obwohl sie lieber Medizin studiert hätte, sie findet und verliert die große Liebe, und in die schillernde Boheme der exaltierten Tante knallen alsbald die Lederstiefel der Nazis. Helene stürzt sich in die Arbeit, bis ihr eines Tages Wilhelm den Hof macht, der sie „Alice“ nennt, Autobahnen bauen und blonde Nachkommen für das Deutsche Reich zeugen will.
„Die Mittagsfrau“ vollbringt das Kunststück, dass wir am Ende Helenes Tat zwar nicht verstehen, aber begreifen. Zu lesen, wie diese lebensfrohe und kluge junge Frau nach und nach vertrocknet, wie sich ihr Mitgefühl in Gleichgültigkeit verwandelt und die Beschädigungen ihrer Umwelt ihre Seele auffressen, ist zutiefst erschütternd: „Es gab keinen Traum, kein Licht am Ende des Tunnels, keine Ahnung von dem, was hätte sein können, und auch keinen Zeigefinger eines Gottvaters, der sich drohend über Helene erhoben hätte.“ Ein eindringlicher Roman, der mit reicher Sprache das Porträt einer ergreifenden Frau zeichnet, die zwischen den Rädern der Zeit zerrieben wird. Ein Buch darüber, was es heißt, Mutter zu sein und was das eigentlich ist, Empathie.
[ Lieblingszitat ] „Du wartest. Das sagte sie streng. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sie strich ihm über die Wange, und Peter war froh. Er dachte an die Bockwürstchen, die die Dame in Scheune ausgerufen hatte, vielleicht gab es hier welche, er wollte seiner Mutter suchen helfen, überhaupt helfen wollte er ihr, er öffnete den Mund, aber sie duldete keinen Widerspruch, sie drehte sich um und tauchte in der Menschenmenge unter.“
[ Info ] Franck, Julia: Die Mittagsfrau.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
S. Fischer Verlag,
Frankfurt/Main, 2007
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ISBN: 978-3-10-022600-6.
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