Über Angelika Wellmann

Angelika Wellmann

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Name: Angelika Wellmann
Sprache: Deutsch
Stadt: Hamburg
Land: DEU

Bücher: 10

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Das Jahr magischen Denkens

Didion, Joan (Übers. v. Antje Rávic Strubel)

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[ Buchtipp von Angelika Wellmann ] Manchmal zeigt das Leben, das eben noch hold gelächelt hat, von einer Sekunde auf die andere seine hässlichste Fratze. Und nichts ist mehr wie früher. Joan Didion, amerikanische Schriftstellerin, Kolumnistin, Essayistin und eine der bekanntesten kritischen Stimmen der USA, hat genau das erlebt - und in „Das Jahr magischen Denkens“ eindrucksvoll davon berichtet. Was ist geschehen? Am 25. Dezember 2003 wird die Tochter in die Notaufnahme eines New Yorker Krankenhauses eingeliefert. Aus einer harmlosen Grippe war eine Lungenentzündung geworden und dann ein septischer Schock. Als Didion und ihr Mann, der Schriftsteller John Gregory Dunne, am Abend des 30. Dezember die Intensivstation verlassen, liegt die 37-Jährige seit fünf Tagen im Koma. Die Eltern fahren nach Hause und machen, was man dann tut: Sie reden. Sie sprechen über die Situation, und sie sprechen noch immer, als John später in der Wohnung, das Glas noch in der Hand, plötzlich zusammensackt. „John redete, dann redete er nicht mehr.“ Herzkammerflimmern, alle Reanimationsversuche schlagen fehl. Es kann nur noch der Tod festgestellt werden. Das ist das Grauen. Das ist unfassbar - und will doch begriffen werden.

Wie aber kann ein Mensch begreifen, was sich seinem Verstand entzieht? Das ist die zentrale Frage des  Buches. Didion beschreibt Leid als inkommensurabel, als etwas, das in nichts vergleichbar ist mit dem, was sie sich je vorgestellt hat. Es ist keine Phase, es ist ein Zustand. Es ist der Zustand, in dem der Mensch dem Rationalen den Rücken kehrt und in magischen Zusammenhängen denkt. Ein eindrückliches Beispiel: Didion berichtet, wie sie sich nicht entschließen konnte, die Schuhe ihres Mannes wegzugeben. Andere Kleidungsstücke schon. Aber nicht die Schuhe. „Er würde Schuhe brauchen - wenn er zurückkam.“

„Magisches Denken“ leugnet den Tod und setzt auf die Umkehrbarkeit der Zeit. Es organisiert sich in Ähnlichkeiten, und  jede Wahrnehmung stellt eine Beziehung zum Verstorbenen her. Didion beschreibt, wie alles, was sie tat, die Schleusen des Erinnerns öffnete und so das rationale Denken flutete. Als sie mit ihren Aufzeichnungen begann, war John seit zehn Monaten tot. Schreibend versuchte sie, Ordnung in das Chaos der Erinnerungen zu bringen. Indem sie das Überwältigende fixierte, gewann sie allmählich die Kontrolle zurück. Schreiben als Überlebensstrategie. Ihre andere Strategie hieß Lektüre. Sie berichtet, wie sie quer durch die Disziplinen alles las, was sie nur zum Thema Tod finden konnte: Medizin, Psychoanalyse,  Psychiatrie, Naturwissenschaft und Kulturgeschichte, Literatur, antike Mythologie. Alles. So bietet das Buch nebenbei ein facettenreiches Dossier zum Thema Tod. Dass dies vor dem Hintergrund eines anrührenden Porträts einer großen Liebe geschieht, macht „Das Jahr magischen Denkens“ so großartig und beklemmend zugleich. Zwei Monate, bevor das Buch im August 2005 erscheint, stirbt die Tochter. Didion hat diesen Tod nicht mehr in das Buch aufnehmen wollen: „It´s finished“, sagte sie.                

[ Lieblingszitat ] „Das Leben ändert sich schnell. Das Leben ändert sich in einem Augenblick. Man setzt sich zum Abendessen, und das Leben, das man kennt, hört auf. Die Frage des Selbstmitleids.“

[ Info ] Didion, Joan: Das Jahr magischen Denkens. (Sprache d. Buchs: English) Übers. v. Antje Rávic Strubel. Claassen, Berlin, 2006 . ISBN: 978-3546004053.


Dieses Buch ist ...

Genre: Essay
Stichworte: Tod, Sterblichkeit, Leben, Erinnerung, ergreifend, blitzgescheit
Sprachen (Buchtipp): Deutsch, Ungarisch, Dänisch, Hebräisch


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