Über Karin S. Wozonig
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Name: Karin S. Wozonig
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher:
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Verwandtschaften: 3
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[ Buchtipp von Karin S. Wozonig ] Dieser Roman spielt in einem jüdischen Dorf in Galizien in der Zeit um 1850. Der Held Sender (Alexander) Glatteis ist ein schauspielerisches Naturtalent, ein geborener Pojaz (Spaßmacher). Dass er das Talent von seinem leiblichen Vater geerbt hat, wird Sender von seiner Ziehmutter verschwiegen. Zu tief unten auf der sozialen Leiter stehen die Schnorrer, zu denen Senders Vater gezählt hat, die herumziehenden armen Juden, die von den Almosen ihrer Glaubensgenossen leben und sie dafür mit Späßen und Neuigkeiten versorgen. Sender soll keinesfalls in die Fußstapfen seines Vaters treten. Als er in Czernowitz (Tscherniwzi) eine Aufführung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" sieht, berührt ihn nicht nur der Konflikt des Stücks, in dem er die Vorurteile wiedererkennt, die das Zusammenleben von Christen und Juden in seiner Heimat prägen. Er erkennt auch - ohne jede Theatererfahrung - die Herausforderung der Darstellung des widersprüchlichen Charakters Shylock. Von nun an strebt Sender nur noch danach, Schauspieler zu werden.
Anhand der Entwicklungsgeschichte des Helden schildert Franzos die religiöse Enge in einem Dorf der Chassidim, die menschenverachtende Judenfeindlichkeit der Christen, die Überheblichkeit der deutschen Bevölkerung Galiziens und das Elend der Schmierenkomödianten der Provinzbühnen. Es ist ein berührender Roman über die Träume eines chassidischen Juden, der sich nichts sehnlicher wünscht, als das Getto hinter sich zu lassen und Schauspieler zu werden. Bei der streng verbotenen Lektüre deutscher Bücher in einer unbeheizten Klosterbibliothek holt sich Seder beinahe den Tod. Bemühungen seiner Ziehmutter, ihn in den chassidischen Traditionen zu erziehen und zu verheiraten, scheitern. Seine Verweigerung sich einzuordnen, führen im Laufe das Romans zu kleineren und größeren Katastrophen, in deren Schilderung Franzos ein Panorama an jüdischen, polnischen und deutschen "Typen" ausbreitet, ohne dabei platte Klischees zu bedienen.
Mit Bezügen auf berühmte Schauspieler der Zeit und durch die genaue Beschreibung sowohl des jüdischen Lebens als auch der ignoranten kk-Bürokratie in Galizien macht Franzos aus dem Roman ein Zeitdokument. Trotz seiner Fertigstellung 1894 blieb das Buch bis nach dem Tod des Autors unveröffentlicht.
[ Lieblingszitat ] "Endlich läßt man mich in den Saal - ich war der Erste und hab' mich vorn hinsetzen wollen, aber mein Platz war auf einer Bank in der Mitte. [...]
Kommt der Blonde mit einem alten Juden. Ich denk' mir gleich: 'Jetzt will er sich das Geld vom Juden leihen!' Richtig ist es so - dreitausend Dukaten, weniger nimmt er nicht. Und der Anton, sagt er, soll bürgen.
'Faule Fisch!', denk' ich mir, 'der hat ja selbst kein Geld. Der alte Jud', wenn er kein Esel ist, wird sich doch vorher nach dem Anton erkundigen.' Aber da kommt der Anton selbst dazu, redet auch in den Juden hinein. 'Schajlock' hat er ihn genannt, weil ein Christ sich nie jüdische Namen merken kann, der Alte hat wahrscheinlich 'Schaje' (Jesaias) geheißen."
[ Info ] Franzos, Karl Emil : Der Pojaz. Eine Geschichte aus dem Osten. (original language: Deutsch) Rotbuch Verlag, Hamburg, 2005 (1905).
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