Über Karin S. Wozonig
- Leserprofil
Name: Karin S. Wozonig
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 34
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[ Buchtipp von Karin S. Wozonig ] Die Erzählung, die den Umfang eines Romans hat, spielt vor dem Hintergrund der untergehenden Feudalgesellschaft und vor dem Aufstieg des Kapitals in der Habsburgermonarchie nach 1848. Es wird die Geschichte der reichen Weinhändlerfamilie Heißenstein erzählt, in deren Haus die Titelheldin Božena als Dienstmagd arbeitet. Ein Patriarch, für den nur ein männlicher Erbe zählt; eine Tochter aus gutem Haus, die mit einem armen, aber edlen Ulanen-Offizier durchbrennt; ein zu Dünkel und Ignoranz erzogenes Mädchen, bei dem sich die Heiratskandidaten wegen ihrer beträchtlichen Mitgift einfinden; ein alter, verarmter Graf, der jahrelang die nächste Umgebung seines Schlosses nicht verlässt aus Angst, einem Demokraten zu begegnen...
Marie Ebner-Eschenbach schafft interessante Figuren einer vergangenen Zeit, die den Wandel der Gesellschaft verkörpern und darüber hinaus ganz überzeitliche innere Kämpfe auszufechten haben. Die Figuren der Erzählung sind intrigant, bösartig, dumm, aber auch wohlwollend, idealistisch und gut. Manchmal ist die Schilderung rührend bis zum Kitsch, dann wieder voll von feinem Spott und intelligenter psychologischer Beobachtung. Man kann bei der Geschichte mitleben, um die verstoßene Tochter und ihr Kind zittern und sich über die Grausamkeit der bürgerlichen Moral ärgern. Von Anfang an ist klar: Das muss gut ausgehen.
Die „Riesin“ Božena, die alles im Griff hat, die schön und stolz wie Libussa in ihrem Reich regiert, wird den Schwachen zu ihrem Recht verhelfen. Zwischendurch - in den Wirren der Revolution - verlieren wir sie zwar aus den Augen, aber man weiß, sie wird wiederkommen und wie der Fels in der Brandung die Turbulenzen überstehen. Und obwohl man sich gleich denken kann, wie das alles ausgeht, bleibt das Buch bis zum Schluss interessant. Denn Ebner-Eschenbach gibt keine ihrer Figuren ganz auf, auch für die unsympathischste bleibt immer noch ein bisschen Verständnis über, das die Leser teilen sollen.
[ Lieblingszitat ] „Die schöne Božena hätte sich an Größe und Stärke kühnlich mit einem Flügelmanne des Garderegiments Friedrich Wilhelms I. messen können. Dabei besaß sie ein ausdrucksvolles und gescheites Gesicht, in dem ein Paar rabenschwarze Augen funkelten, die auch der mutigste Mann nicht ohne leises Grauen in Ungnaden auf sich gerichtet sah. Das Schönste jedoch an der schönen Božena war die Röte ihrer Wangen und das blendende Weiß ihrer Zähne. Allerdings konnten die Lippen, hinter denen das prächtige Gebiß zum Vorschein kam, etwas schwellend genannt werden, und was die Nase betraf, so geschah ihr kein Unrecht, wenn man sie - wie ein launiges Mitglied der Paßbehörde 'ex officio' getan - 'landesüblich' nannte.“
[ Info ] Ebner-Eschenbach, Marie von: Božena.
Erzählung.
Cotta,
Stuttgart, 1906
(1876).
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