Über Peeter Helme
- Leserprofil
Name: Peeter Helme
Sprache: Deutsch
Stadt: Tallinn
Land: EST
Bücher: 7
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[ Buchtipp von Peeter Helme ] „Gewöhnlicher estnischer Idiot“ ist der neueste Lyrikband von einem der produktivsten jungen Poeten Estlands. Jürgen Rooste ist - wie immer - avangardistisch, schöpferisch und scharf. Sozialkritik, Sprachspiele und Selbstbeobachtung mischen sich zu einem unvergesslichen, gleichermaßen witzigen wie traurigen Gesamtwerk, das man immer wieder und wieder lesen möchte.
Bis heute hat Rooste insgesamt sechs Gedichtbände herausgegeben, dazu kommen noch drei Bände, in denen er seine Gedichte zusammen mit anderen jungen Dichtern veröffentlicht. In „Gewöhnlicher estnischer Idiot“ hat Rooste sich ein wenig von seinen bisherigen Themen distanziert. Das Soziale ist immer noch sehr wichtig, aber die Selbstbeobachtungen treten stärker hervor, ohne dass der Dichter dabei zu egozentrisch geworden wäre. Wenn seine Dichtung sich früher immer um die Rolle des Dichters in einer erbarmungslosen, manchmal aber auch tragikomischen Welt drehte, dann ist jetzt plötzlich viel mehr Empathie da. Roostes Ich hat sich entfaltet, doch er beschreibt nicht nur seine eigenen Leiden und Ängste, sondern nimmt auch seine Mitmenschen (und -Tiere) wahr; schließlich merkt er, dass auch er als Person jemand ist, der in der Lage ist, sich selbst weh zu tun.
Insofern ist Rooste reifer, zweifellos auch trauriger geworden, allerdings auf eine sehr sympathische und freundliche Weise. In „Gewöhnlicher estnischer Idiot“ spricht nicht nur der Dichter sondern auch der „verrückte Rind“ (eine absurde Mischung aus altem Fidel Castro und gestorbenem estnischen Staatspräsidenten Lennart Meri) - und des Dichters eigener Hund, der aus Langeweile in Alexandrinern dichtet und seine Verse vorliest. Insgesamt ist das Buch aber nicht nur komisch, sondern warm, melancholisch und intim. Scheinbar wird Jürgen Rooste, wenn auch wider Willen, erwachsen.
Obwohl Roostes Gedichte gelegentlich in andere Sprachen übertragen wurden, ist die Übersetzung sicherlich keine einfache Arbeit. Besonders „Gewöhnlicher estnischer Idiot“ wäre ein Folterfall für einen Übersetzer. Nicht, dass die Sprache unbedingt so kompliziert wäre, aber Rooste nutzt sehr oft die Umgangssprache sowie Elemente von Slang und Mundarten.
[ Lieblingszitat ] „hull lehm iniseb pisut ja
torkab siis et
mehed ärge mölisege
jooge raisk
täna on pühabä
vaja veel ilusat õdakut ära lörtsida
viimane õlletilk ta pudelis hoiab
kramplikult libedast klaasist kinni
ta ei taha sattuda kellegi kõrri kes
pole sajandeid armastada suutnud“
[ Info ] Rooste, Jürgen: tavaline eesti idioot.
ja teisi pikemaid poeese 1999-2007.
(Sprache d. Buchs: Estnisch)
Jumalikud ilmutused,
Pärnu, 2008
.
ISBN: 978-9985-9787-6-4.
Genre: Roman
Stichworte: Wahnsinn, Selbstkritik, Kritik des Intellektuellen, Kritik, innovativ, Estland
Sprachen (Buchtipp): Deutsch