Über Severin Perrig
- Leserprofil
Name: Severin Perrig
Sprache: Deutsch
Stadt: Luzern
Land: CHE
Bücher: 4
[ Buchtipp von Severin Perrig ] "Warum quälen sich die Menschen so?" fragt sich in Canettis Roman "Die Blendung" ganz nebenbei ein Polizist und Krawatten-Fetischist. "Das Leben ist elegant. Täglich kommen neue Krawattenmuster heraus. Man muss sie zu tragen verstehen." Doch in der geschilderten "Räuberhölle Welt" versteht gar niemand etwas einfach so zu ertragen. Selbst der Polizist wünscht einem Unschuldigen Prügel: "das hilflose Skelett am Boden wirkte aufreizend." Dieses "gefallene Geschöpf" ist der Privatgelehrte Peter Kien, die Hauptfigur in dem von Canetti Anfang der 1930er Jahre fertiggestellten Roman. Dieser verblendete Büchermensch hat seine Haushälterin Therese Krumbholz geheiratet, die ihn um Bibliothek, Wohnung und Geld bringt. Mag er sich auch in jeder noch so vertrackten Situation mit dem Mehrwert seiner Bücherwelt trösten, sein Verstand wird all die Alptraum-Szenen auf die Dauer nicht unbeschadet hinweginterpretieren können. Seinem Autodafé am Schluss fallen die feindlichen, in Büchern gefangenen Buchstaben ebenso zum Opfer, wie er selbst. Eine Groteske, wie wir sie heute noch gerne uns ausmalen: Ein chilenischer Student verabschiedet sich aus der realen in die virtuelle Welt. Er will überwacht 8 Monate allein mit sich und dem Internet verbringen. "Alles, was ich brauche, ist im Netz." (Zeitungsmeldung im Mai 2000)
[ Info ] Canetti, Elias: Die Blendung.
Genre: Roman
Stichworte: gewagt, beeindruckend, meisterhaft
Stil: satirisch, experimentell
Empfohlen für: Sprachgenuss, Lektüre zum Nachdenken
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
[ 03.01.06 - 10:39 ] [ Kommentar von Stephan M. ] Ein klasse Roman. Und ein Lehrstück über Kommunikation, die scheitert, von der aber niemand merkt, daß sie scheitert - also Mißverständnisse, die niemals aufgeklärt werden, weil zwar alle miteinander reden, aber niemand miteinander redet - und das wird bis in die größten Absurditäten durchgespielt. Jeder, der sich schon mal beim "wenn er jetzt denkt, daß ich denke, daß..." ertappt hat, wird seine helle Freude an diesem Buch haben.