Über Antje Flemming
- Leserprofil
Name: Antje Flemming
Sprache: Deutsch
Stadt: Hamburg
Land: DEU
Bücher: 41
[ Buchtipp von Antje Flemming ] Wann immer er einen neuen Roman vorlegt, und das tut er zum Leserglück in schönster Regelmäßigkeit, überbieten sich die Kritiker diesseits und jenseits des Atlantiks in ihren Lobpreisungen: „Magic Powers“, „mystical Powers“ nennen sie ihn, den „größten lebenden Romanautor Amerikas“ (The Guardian), den „gewaltigsten Erzähler seiner Zeit“, einen, der eine „magische Symphonie der Worte“ (Frankfurter Rundschau) zu Papier bringt. Doch während seine Schriftstellerkollegen wie Jonathan Franzen, T.C. Boyle oder Jeffrey Eugenides längst wie Popstars gefeiert werden, beschaut sich Richard Powers den Literaturzirkus eher vom Rande her. Der neunte Powers ist nur halb so mächtig wie sein viel besprochenes Opus „Der Klang der Zeit“ und eröffnet doch wieder eine ganze Welt. In „Das Echo der Erinnerung“ fächert der Amerikaner virtuos Panoramen des modernen Lebens auf und macht die Neurowissenschaft zu Literatur.
Nebraska, das „riesige, leere Herz des Landes“. Nacht. Ein Unfall. Der junge Mark Schluter kommt mit seinem Truck von der schnurgeraden North Line Road ab. Dort, wo die Kraniche sich jedes Frühjahr auf der ihnen einprogrammierten Route sammeln, passiert die Tragödie, die doch nur eine Randepisode im großen Weltenganzen darstellt. Marks Schwester versucht, den aus der Welt Gefallenen zurückzuholen. Doch das Selbst ist „eine in der ersten Person erzählte Geschichte“, denn Mark leidet unter Wahnvorstellungen, denkt, Karin sei durch eine Doppelgängerin ersetzt worden: „Ich bin gefangen in den Gedanken von jemand anderem.“ Das Capras-Syndrom, diagnostiziert der Neurologe. Doch da ist er mit seinem Latein auch schon am Ende, denn das Leben wird aus Erinnerungen gemacht. Es sind die Kernfragen des Jetzt, die den luziden Autor antreiben: Wie funktionieren die kognitiven Landkarten unseres Gehirns? Kann man das emotionale Denkvermögen ausschalten? Immer tiefer taucht Powers in seinem „neurologischen Detektivroman“ über die Schimäre Erinnerung in das Innerste der Familie ein und zeichnet en passant ein aufregendes Porträt des amerikanischen mittleren Westens. Selten war die literarische Symbiose aus Wissenschaft und Seele so beglückend.
[ Lieblingszitat ] „Er liegt in dem schrumpfenden Bett und macht Bestandsaufnahme. Rippen: ja. Bauch: vorhanden. Arme: zwei. Beine: ebenfalls. Finger: viele. Zehen: vielleicht. So geht das die ganze Zeit, mit wechselnden Ergebnissen. Er macht eine Inventarliste von sich selbst, wie bei einer alten Maschine. Ausbauen. Reinigen. Wieder einsetzen. Zurück zur Liste."
[ Info ] Powers, Richard: Das Echo der Erinnerung.
(Sprache d. Buchs: Englisch) Aus dem Amerikanischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié.
S. Fischer Verlag,
Frankfurt/Main, 2006
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ISBN: 978-3-10-059022-0.
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