Über Karin S. Wozonig
- Leserprofil
Name: Karin S. Wozonig
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 34
[ Buchtipp von Karin S. Wozonig ] Die Hauptfigur dieses Romans ist Jenny Meier, die gebildete und lebenslustige Tochter eines reichen jüdischen Kaufmannes. Um sie zentriert sich die Handlung dieses Liebesromans, der in seinen Verwicklungen Schlaglichter auf die bürgerlichen, die jüdischen und die weiblichen Emanzipationsbestrebungen der Zeit wirft. Die Handlung ist durchsetzt mit Reflexionen über religiöse Vorurteile und Standesunterschiede. Jenny und ihr Bruder Eduard sind damit konfrontiert, dass sie ihr Leben aufgrund der Vorurteile gegenüber Juden nicht selbstbestimmt führen können. Für beide betrifft das ihre Partnerwahl, für Eduard auch seine berufliche Karriere. Als sich Jenny in ihren Hauslehrer, einen protestantischen Theologiestudenten, verliebt, lässt sie sich taufen. Das bringt sie in Konflikt mit ihrer aufgeklärten, vernunftgeleiteten Erziehung. Für Jenny sind die christliche Lehre von der Menschwerdung Gottes in Jesu und der christliche Wunderglaube nicht überzeugend und sie kann den letzten Schritt zum christlichen Bekenntnis nicht tun.
Dieser Roman ist nicht bunt, nicht sentimental und nicht romantisch. Die Figuren sind hauptsächlich durch ihre Reden charakterisiert, das Zeitkolorit wird nur an wenigen Stellen deutlich. Als der Roman 1842 anonym erschien, vermutete man, er sei von einem Mann geschrieben worden und immer wieder wurde Fanny Lewald „unweibliche“ Objektivität und Strenge in der Behandlung ihrer Stoffe vorgeworfen. Aber gerade diese distanzierte Haltung, die die Zeitgenossen nicht in einem Liebesroman aus der Feder einer Frau erwarteten, macht die Ungerechtigkeiten, Benachteiligungen und Vorurteile, um die es in dem Roman geht, deutlich.
[ Lieblingszitat ] "Mit schmerzlichem Lächeln sah Clara auf diese Richtung ihrer Freundin hin. Sie glaubte in sich die Erfahrung gemacht zu haben, daß bei Frauen die lebhafte Teilnahme an den Erscheinungen der Außenwelt ein Zeichen innerer Unbefriedigung sei, ein Ersatz, mit dem sie sich für ein Glück entschädigen, das ihnen nicht geworden ist. Jenny hingegen erschien Claras Wesen als eine Entsagung, die sie bewunderte, ohne zu glauben, daß sie selbst imstande wäre, sich zu solcher freiwilligen Selbstbeschränkung zu entschließen."
[ Info ] Lewald, Fanny: Jenny.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Ulrike Helmer Verlag,
Frankfurt/M, 1993
(1842).
ISBN: 3927164348.
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