Über Walter Grond
- Leserprofil
Name: Walter Grond
Sprache: Deutsch
Stadt: Aggsbach Dorf
Land: AUT
Bücher: 33
[ Buchtipp von Walter Grond ] Am Ort des Autounglücks, bei dem Albert Camus 1960 starb, wurde ein Manuskript gefunden, an dem Camus offenbar bis zuletzt arbeitete. "Der erste Mensch" ist also Fragment geblieben und erschien nicht nur posthum, sondern erst 35 Jahre nach dem Tod Camus'. Seine Tochter Catherine hatte sich bis dahin geweigert, den Roman zu veröffentlichen, vorallem wegen des stark autobiographischen Texthintergrundes.
"Der erste Mensch" erzählt die Geschichte des Algerierfranzosen Jacques Cormery, der seine Kindheit in Algerien bewältigen möchte und daher die Familiengeschichte rekonstruiert. Sein Vater starb im 1. Weltkrieg, als der Knabe 1 Jahr alt war, und so wuchs er mit einer verstummten Mutter in einem Armenviertel Algiers auf. Je tiefer er gräbt, umso entsetzter muss er zum Schluss kommen, dass er über beide nichts mehr erfahren wird. Er ist der einsamste, der "erste" Mensch.
Neben der Erzählhaltung, die Seziermesser scharf die Schichten der Vergangenheit bloßlegt und über die Existenz und Nichtexistenz der Menshen und Ereignisse urteilt, ist der Roman vorallem wegen seiner Unabgeschlossenheit interessant. Es handelt sich offenbar um die Erstschrift des Romans, und in der vorliegenden Ausgabe sind Camus' Überschreibungen und Kommentare vermerkt. Der Leser bekommt also mitgeteilt, was Camus ändern wollte, und derart entsteht eine Dichte des Fragments, tun sich immer wieder mögliche Varianten des Romans auf. Beim Lesen dieses Romans schreibt der Leser gewissemraßen andere Ausgänge.
[ Lieblingszitat ] Kapitel schreiben und streichen
[ Info ] Camus, Albert: Der erste Mensch.
(Sprache d. Buchs: Deutsch) Uli Aumüller /Übersetzung.
Rowohlt,
Reinbek bei Hamburg, 1998
(1994 französisch).
ISBN: 3499224313.
Genre: Roman
Stichworte: Kolonialismus, Frankreich, Algerien
Stil: sezierend, nüchtern
Empfohlen für: Romaninteressierten
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
[ 01.11.08 - 17:26 ] [ Kommentar von Ferdinand Schmatz ] Die Sinnlichkeit der Rück-Blenden ist wahrliche Erst-Schrift, so, als wären wir Lesende mit dem Autor oder dem Jungen oder dem Wort erster Mensch der Rede, die in Schrift verwandelt Erfahrung ist, in der das Schweigen in die Geste transformiert Mutterliebe ist, das einsame stets ins Zweisame mündet, wie am Schluss, wo das stumme Vergangene in den Mund der Geliebten zurückkehrt und dort das Vergängliche im Liebesgesang als Pracht des Lebens, die Sprache und Bild in einem ist, verkündet.