[ Buchtipp von Deutscher Buchpreis 2008 ]
Ein Dutzend Personen begegnen sich beiläufig beim Abendeinkauf in einem Supermarkt in der Vorstadt. Sie drängeln sich vor dem Kühlregal und an der Ladentheke beim Metzger. In ihren zweckdienlichen Eifer sickern beim Anstehen innere Stimmen ein, die den Ärger über das Personal mit peinigenden Gedanken verrühren. Horst formuliert bereits Nachrufe, obwohl seine Frau doch erst operiert wird. Erich beklagt sich innerlich darüber, dass er es selbst bei der Lokalzeitung nicht geschafft hat. Und Luise versucht sich bei einer Standaktion etwas Mut anzutrinken – mit alkoholfreiem Sekt. Sie, Luise, das politische Nachwuchstalent, ist gewissermassen das Herz der alltäglichen Paranoia, die sich hier im Supermarkt schleichend ausbreitet. Wie übel spielt einem das Leben doch mit, denken sich insgeheim alle, nur Luise aber weiss dieses grummelnde Unbehagen mit populistischem Gespür aufzufangen. Hoffentlich hat nur niemand bemerkt, wie sie sich jüngst selbst die Hose verpisst hat.
„Kollateralschaden“ protokollliert im Minutentakt einen Reigen von alltäglichen Begebenheiten und rechtschaffenen Figuren, die an einem Januarabend zwischen 16:30 bis 17:30 ihre Einkäufe tätigen. Das Buch kulminiert um 17:18, als Mo auftaucht, der Freestyler. Er durchpflügt den Supermarkt von hinten nach vorn in einer direkten Linie und filmt diese Aktion live.
Olga Flors Roman ist ein witziges, zugleich unbehagliches Porträt des geplagten Mittelstands, dessen angstbesetzte Verunsicherung sich spätestens bei den Wahlen Bahn bricht und die politische Landschaft umpflügt.
[ Lieblingszitat ] Und auf den Ausläufern dieser Gärungszustände verstand es Luise, souverän zu reiten.
[ Info ] Flor, Olga: Kollateralschaden.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Zsolnay Verlag,
Wien, 2008
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[ 23.02.09 - 22:53 ] [ Kommentar von readme.cc und Hauptbücherei Wien (Admin) ] Olga Flors "Kollateralschaden" steht am 2. März 2009 im Zentrum des Lesezirkels von Hauptbücherei Wien und readme.cc. Das Thema ist KONSUM, geredet wird aber wohl auch über latente Bedrohungen und über Kommunikation, über Sympathie und Leiden des Mittelstands und und und..