Über Florian Vetsch
- Leserprofil
Name: Florian Vetsch
Sprache: Deutsch
Stadt: St. Gallen
Land: CHE
Bücher: 31
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[ Buchtipp von Florian Vetsch ] Khushwant Singh (*1915) glaubt an die Möglichkeit des Friedens und der interkulturellen Toleranz. Dies zeigt sich auch in seinem vielleicht berühmtesten Roman "Train to Pakistan" (1956). 50 Jahre nach seinem Erscheinen wurde er bei Roli Books, New Delhi, in einer Spezialausgabe mit 66 Fotografien von Margaret Bourke-White neu aufgelegt. Inzwischen gibt es ihn auch auf Deutsch, in der versierten Übersetzung von Axel Monte.
Der Roman spielt im Sommer 1947, als die Loslösung des mehrheitlich muslimischen Pakistan von Indien durch die britische Regierung arrangiert wurde. Der ethnischen Separation, deren Problematik noch heute im Kaschmir-Konflikt fortschwelt, fielen zwei Millionen Menschenleben zum Opfer, zehn Millionen wurden zwangsumgesiedelt. Dieser Katastrophe stellt sich Khushwant Singh nicht, indem er in grosse politische Zusammenhänge abschweift, Lösungsvorschläge bietet oder Schuldzuweisungen macht, sondern indem er auf das kleine fiktive Dorf Mano Majra in der Nähe der pakistanischen Grenze fokussiert. Eingangs schildert er das friedliche Zusammenleben der Muslime, Sikhs und Hindus, malt deren harmonisch in die Natur eingebettetes Leben aus, das lediglich durch räuberische Überfälle mitunter aufgestört wird. Doch Mano Majra hat, so klein es ist, eine Funktion im Bahnnetz der Gegend. Und so kommt es, dass die Zeitläufte auch dieses Dorf nicht verschonen.
Eines Morgens trifft ausserhalb des Fahrplans ein unheimlicher, gespenstischer Zug im Bahnhof von Mano Majra ein. Er führt lauter Leichen mit sich. So viele, dass ihre Entsorgung schwierig wird: „Tausend verkohlte Leichen zischten und qualmten, als der Regen das Feuer löschte. Hundert Meter verkohlte Leichen!“ Das grauenvolle Geschehen erzeugt apokalyptische Bilder. Sie rechtfertigen den mehrfachen Rückgriff im Text auf die Vorstellung vom letzten Weltalter, in dem wir uns nach der indischen Mythologie befinden, auf das Kaliyuga, das in seiner moralischen Verderbtheit der Vorstellung Ovids vom letzten, dem eisernen Weltalter entspricht, in dem Krieg und Schrecken herrschen. Doch Singh demonstriert keine Erklärungsmodelle, sondern entwickelt die erschütternde Erzählung vom Wandel der ursprünglich konvivialen, friedlichen Dorfbewohner in akute Mordscharen. Eindrücklich zeichnet er dabei den Charakter von Hukum Chand, dem korrupten Friedensrichter und Polizeipräsidenten, der mit Whisky und blutjungen Prostituierten den Ekel vor sich selbst betäubt. Oder den gewaltlosen Sikh-Priester Miet Singh, auf den seine Glaubensgemeinde schliesslich nicht mehr hört. Oder den hitzköpfigen Kommunisten Iqbal, dessen Ideologie die Ereignisse forttreiben wie die Leichen, die eines Nachts den Fluss heruntergeschwemmt kommen. Oder den grossartig getroffenen Jagga, den Badmash und Räuber, der trotz seiner bisweilen ungezügelt ausbrechenden Aggressivität, so beherzt ist, dass er unter Aufopferung des eigenen Lebens ein Massaker an Muslimen verhindert...
Khushwant Singhs Roman "Der Zug nach Pakistan" zeigt ein Dorf als Schauplatz und Opfer der grossen politischen Ereignisse. Ein spannender und aufschlussreicher, ein menschlich eindringlicher Roman, der zurecht als grosser Klassiker der indischen Literatur gilt.
[ Lieblingszitat ] "I base my opinion on historical evidence."
[ Info ] Singh, Khushwant: Der Zug nach Pakistan.
(Sprache d. Buchs: Deutsch) Übers. v. Axel Monte.
Insel ,
Frankfurt am Main, 2008
.
ISBN: 978-3-458-17400-4.
Genre: Roman
Stichworte: Klassiker der indischen Literatur
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
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