Über Karin S. Wozonig
- Leserprofil
Name: Karin S. Wozonig
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 34
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[ Buchtipp von Karin S. Wozonig ] Lange bevor Marie von Ebner-Eschenbach zur berühmten österreichischen Erzählerin wurde, deren Geschichten und Aphorismen zum bildungsbürgerlichen Gemeingut zählten, schrieb die Autorin die Satire „Aus Franzensbad“. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Briefen einer adeligen Dame, die zur Kur ins Bad fährt und ihrem Arzt von ihrem Aufenthalt berichtet. Das Buch erschien anonym und Ebner-Eschenbach distanzierte sich zeitlebens von dem Text, ein Nachdruck erschien 1913 gegen ihren Willen. Wir sehen in diesem Buch ein Talent in Ausbildung: Ebner-Eschenbach übt sich darin im literarischen Ton ihrer Zeit, indem sie Formen persifliert und sie nützt das Thema der Badereise für geistreiche Kritik an der Obrigkeit, an der selbstherrlichen Haltung der Literaturkritiker und Feuilletonisten und an der Oberflächlichkeit der Badegesellschaft, insbesondere ihrer Standesgenossen.
In der Reprintausgabe von 1985 sind ein interessantes Nachwort und hilfreiche Anmerkungen von Karlheinz Rossbacher enthalten, die das Lesevergnügen erhöhen. Was uns heutige Leser(innen) an dem Text unangenehm berührt, ist der Umstand, dass auch die jüdischen Badegäste nicht vom Spott der fiktiven Verfasserin der Briefe verschont bleiben. Es ist aus heutiger Perspektive nicht auszublenden, dass die klischeehafte Darstellung jüdischer Figuren (auch wenn sie in „Aus Franzensbad“ weit von Verächtlichmachung oder Verachtung entfernt ist) den Nährboden für gewalttätigen Antisemitismus bildet. Es mag sein, dass Marie von Ebner-Eschenbach, die Mitglied im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ war und sich in Wort und Tat für die Rechte ihrer jüdischen Mitmenschen einsetzte, diesen Zusammenhang erkannte und ihr Erstlingswerk aus diesem Grund ablehnte.
Über weite Teile handelt es sich bei „Aus Franzensbad“ aber um ein amüsantes Buch, dessen geistreiche Einfälle wir auch heute noch bewundernd und mit Vergnügen lesen können. Das Buch zeigt eine andere Seite der „gütigen“ Ebner-Eschenbach, nämlich ein wortgewandtes Talent zum hellsichtigen Spott. Dieses Talent prägt auch spätere Werke der Autorin, wird aber meistens beim Versuch, ihre Erzählungen auf das Element der poetisch verbrämten Sozialkritik herunterzulesen, übersehen.
[ Info ] von Ebner-Eschenbach, Marie: Aus Franzensbad.
Sechs Episteln von keinem Propheten.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Wien,
Leipzig, 1995
(1858).
Genre: Erzählende Prosa
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
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