Über سمية سعد الدين

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Name: سمية سعد الدين
Sprache: Tschechisch
Stadt:
Land: EGY

Bücher: 10

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Chicago

Al Aswany, Alaa (Übers. Hartmut Fähndrich)

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[ Buchtipp von سمية سعد الدين ] In “Chicago” nimmt uns der geniale Romancier Alaa Al Aswany mit auf eine faszinierende Reise durch das Leben einer Gruppe ägyptischer Auswanderer, die im Institut für Histologie an der Universität von Illinois in Chicago studieren. Sie alle haben ihre individuellen Träume, die von ihren Charakteren und Sehnsüchten bestimmt sind. Manche von ihnen werden von ihren wissenschaftlichen Ambitionen angetrieben, während andere nach etwas suchen, das sie ihrer Meinung nach in ihrer Heimat nicht finden können. Der Rest ist getrieben vom Schmerz, in ihrer Heimat verfolgt zu werden. Diese Gefühle treffen geradewegs in das Herz ihrer Nationalität und ihrer Identität.

Trotz des einfachen Stils vermag Al Aswany tief und über kulturelle Grenzen hinweg in die zwischenmenschlichen Beziehungen einzutauchen. Er sucht dabei nach dem Dialog und einem Verständnis, das alle Kulturen verbinden und den schmalen Grat zwischen Übereinstimmung und Meinungsverschiedenheit definieren könnte. Mittels seiner einmaligen Sichtweise auf die ägyptische und amerikanische Kultur gelingt es Al Aswany, Details aus dem Leben seiner Figuren kritisch zu beschreiben und deren Gefühle, Träume, Siege, Frustrationen und Beziehungen in der großen Stadt zu erkunden. Er hebt Momente des Kontrasts – zwischen Wissen und Ignoranz, Weisheit und Verrücktheit, Freude und Trauer, Hoffnung und Verzweiflung, Leben und Tod – hervor und zieht den/die LeserIn in den Strudel von Ereignissen und Gefühlen, denen die ägyptischen Neuankömmlinge ausgesetzt sind. Eine der Hauptfiguren ist Shaymaa Mohamady, eine junge Ägypterin, die als Assistentin an der medizinischen Fakultät der ägyptischen Universität Tanta arbeitet. Sie trägt die traditionell weite Kleidung und einen Schleier, ist eine exzellente Wissenschafterin, religiös, still und zart. Aber hinter dieser Fassade sucht sie dem Phantom einer aufgeschobenen Hochzeit, das sie verfolgt, zu entfliehen. Permanent damit befasst und von Entsetzen über den Gedanken daran getrieben, fürchtet sie sich zugleich vor einem Schicksal als einsame unverheiratete alte Jungfer.

Tarik Hassib ist ebenfalls ein Ägypter, der an die Universität von Illinois geschickt wurde. Motiviert von seinem Wissensdurst gibt er seinen Wunsch nach Liebe und Heirat auf, teils aus Arroganz, teils aus dem Wunsch, seinem alten Leben zu entfliehen. Die dritte Hauptfigur des Romans ist Nagy Abdel Samad, eine junger Mann, der den Geist eines Politikers und das Herz eines Poeten hat. Trotz seiner herausragenden akademischen Fähigkeiten wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten von der Universität von Ägypten verwiesen. In der Folge verlässt er Ägypten und geht in die Vereinigten Staaten, um dort sein Studium zu beenden, von dort aus die Unterdrückung zu bekämpfen und seine wissenschaftliche Karriere am Laufen zu halten. Da ihm das Recht auf freie Meinungsäußerung in Ägypten entzogen wurde, ist es fragwürdig, ob er in seiner Heimat eine Zukunft hat.

Während der/die LeserIn an der Ausgestaltung der einzelnen Handlungsstränge Freude haben wird, wird er/sie in der komplexen Entfaltung des verwirrenden Lebens des frischgebackenen Doktoratsstudenten Ahmed Dananah, der ein prominentes Mitglied der herrschenden Partei Ägyptens ist, auch entdecken, dass Al Aswany ein kompetenter analytischer Psychologe ist. Der Romancier beleuchtet Dananahs starke Beziehung zu höchst einflussreichen Politikern in Ägypten und demonstriert, wie Dananah seine Macht über alle ägyptischen Postgraduate-StudentInnen in Chicago ausübt. Diese Figur benutzt die Politik und die Religion, um ihre ägyptischen Kommilitonen aufzustacheln und anzuführen. Dananah kontrolliert die StudentInnen sowie seine Frau, Marwa Nofal. Es wird gezeigt, wie er skrupellos seine Gewalt und seine Täuschungsmanöver ausführt, aber auch, wie er voller Scham gegenüber Safwat Sherif klein beigibt, jenem ägyptischen Diplomaten, der für die heikle Akte verantwortlich ist, die Dananahs Umgang mit dem Rest der ägyptischen StudentInnen bestimmt. Auf der anderen Seite wiederum wird gezeigt, wie unterscheidlich die Leben des amerikanischen Professors und Institutsvorstandes Dr. Bill Fredman, Dr. John Grahams und dessen schwarzer Lebensgefährtin Carol verlaufen. Die amerikanische Seite schließt auch Dr. Denis Baker und zwei ägyptische Professoren mit ein, Dr. Raafat Thabet und dessen Frau. Schließlich ist da noch Dr. Karam Doss, einer der besten Kardiologen Chicagos. Als koptischer Christ war Doss vom Institutsvorstand seiner ägyptischen Universität, einem muslimischen Fanatiker, nicht angestellt worden. In der Folge hatte sich Doss schließlich entschieden in die Vereinigten Staaten zu emigrieren, in seinem Herzen eine Mischung aus Liebe und Hass zu seiner Heimat.

Der Lauf der Handlung zwingt uns dazu innezuhalten und über menschliche Ungerechtigkeit und die Wurzeln des Rassismus, die die Grundlage für viele Gefühle vieler Menschen aus verschiedenen Kulturen bilden, nachzudenken. Der geniale Autor macht uns damit darauf aufmerksam, dass Rassismus ein allgemeines, weltweites Phänomen zu sein scheint. Es besteht kein Unterschied zwischen den inneren Monologen des ägyptischen Kardiologen Doss und denen der jungen amerikanischen Schwarzen, Carol. Als Doss seinen ägyptischen Verfolger, der ihn anfleht ihm das Leben zu retten, vor sich auf dem Operationstisch vorfindet, erinnert er sich an sein Gefühl der perplexen Überraschtheit über die Ungerechtigkeit, die ihm damals widerfahren war. In seinem inneren Monolog grübelt er: “Gott überlässt nichts dem Zufall. Was hier passiert ist absolut fair und logisch. Hat mir dieser Mann nicht Unrecht getan? Bin ich nicht verfolgt worden? Hielt ich mich nicht für würde- und wertlos? Habe ich nicht geweint und vor dem Erlöser gekniet? Hiermit gibt mir Gott mein Recht zurück. Der Mann, der damals zu mir sagte ‚Sie werden nie ein guter Chirurg sein!‘, hat meine Karriere in Ägypten verhindert und mich gezwungen mein ganzes Leben im Exil zu verbringen. Dieser Mann fleht mich jetzt an sein Leben zu retten!“ Carols innerer Monolog ist dem Doss‘ sehr ähnlich. Aus rassistischen Gründen bekommt sie den Job nicht, der ihr und ihrem kleinen Sohn ein sorgenfreies Leben ermöglichen hätte können und sie weint in ihrem Monolog. Mit einer Reihe von Fragen greift sie das Gewissen des Lesers an: „Warum habe ich keinen Job? Ist es, weil ich schwarz bin? Warum muss ich mit Arbeitslosengeld auskommen? Warum muss ich hungern? Warum muss ich Leute anflehen und bekomme dennoch keine Antwort, kein Mitleid? Ich wollte doch bloß einen Job, den ich mag. Aber jedes Mal sind es dieselben Fragen, dieselben Antworten, dieselben Überschriften, nie bedeutet es Arbeit.“

Die Botschaft, die der Autor vermitteln will, ist in beiden Fällen die gleiche. Ist man am Anfang noch überzeugt, einfach einen Roman über menschliche und über soziale Themen zu lesen, so wird man am Ende von ‚Chicago‘ überrascht feststellen, dass es der Autor geschafft hat, das Menschliche und das Politische gekonnt und nahtlos miteinander zu verbinden. Al Aswany versucht, die oppositionellen Kräfte dazu zu mobilisieren, Demokratie, Freiheit, die Menschenrechte und religiöse Toleranz zu fördern. Er will die Vorstellung von Demokratie und Bürgertum in Ägypten stärken. Außerdem ruft er zu einem neuen religiösen Diskurs auf, in dem der Dialog stärker betont wird, da kulturelle Harmonie ein sublimes menschliches, aber auch ein religiöses Ziel ist. Trotz unterschiedlicher Werte, Visionen, Charakteristiken und Überzeugungen sind wir alle Menschen. Wir sind dazu verdammt, durch die schiere Masse der Angebote in Zeit und Raum verwirrt zu werden. Und die Frage bleibt: Wird unser Schicksal uns auf dem Boden halten oder in den Himmel segeln lassen? 

[ Info ] Al Aswany, Alaa: Chicago. (Sprache d. Buchs: Arabisch) Übers. Hartmut Fähndrich. Lenos, 2008 . ISBN: 978-3857873881.
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Genre: Roman
Sprachen (Buchtipp): Englisch, Italienisch, Deutsch, Französisch, Dänisch, Ungarisch, Slowenisch, Hebräisch, Arabisch


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