![]()
[ Buchtipp von Melitta Becker ] Ungarn 1956: Katalin verlässt ohne Ankündigung ihren Mann und die beiden Kinder und flüchtet in den Westen. Daraufhin verkauf Kálmar, ihr Mann, Haus und Hof und zieht mit den Kindern Kata und Isti quer durch Ungarn mit längeren oder kürzern Stationen bei Verwandten und Bekannten. Die Reise endet mit dem tragischen Erfrierungstod Istis. Erzählt wird aus der Perspektive Katas von einem Vater, der abtaucht in eine lähmende Erinnerungssucht, in ein Leben, das nicht ist - und dem kleinen Bruder Isti, der ganz besonders feinsinnig und innig eintaucht in die Welt der Gegenstände, ihre Sprache vernimmt und den es zu beschützen gilt vor dem Versinken in die Tiefen der Melancholie. Vater und Sohn tauchen und schwimmen gleichermaßen. Das Wasser ist ihr Element, wo sie sich frei schwimmen von der Schwerkraft des Lebens, wo es ihnen gelingt, ganz selbst zu sein. Dagegen stehen Sequenzen mit der Stimme der Mutter im angekommenen Wirtschaftswunder der fremden Freiheit.
"Der Schwimmer" ist kein direkt politisches Buch, aber doch ein Buch, das zwei begehbare Welten zeigt. - Ein sehr poetisch und tiefgründig erzeugter Erinnerungsraum vom Zurückbleiben und Aufbrechen, vom Bewegen und Stagnieren, vom Reisen und Gehen im eigenen und fremden Land, vom Glück und vom vermeintlichen Glück, von der Illusion der realisierten Freiheit und der Realität der "erfrorenen" Hoffnung. Vom Schwimmen und Tauchen.
[ Info ] Bánk, Zsuzsa: Der Schwimmer.
S. Fischer,
Frankfurt/M. 2002
.
Genre: Roman
Stichworte: ergreifend
Stil: ernsthaft
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken
Sprachen (Buchtipp): Deutsch