Über Dieter Sperl
- Leserprofil
Name: Dieter Sperl
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 17
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[ Buchtipp von Dieter Sperl ] Aufzeichnungen, Notizen, Gedichte, Wort-Wesen, Beobachtungen, Überlegungen, Zeichnungen, „innerste Belehrungen“..., deren bewegende Kräfte innerhalb eines hybriden Netzwerkes von Welt- und Wesensbezügen, und damit auch von Selbst-Bezügen, unterwegs sind, - in Peter Pessls Buch spricht alles (in „abenteuerlichen Anteilsmischungen“), denn alles ist lebendig, fühlendes Wesen und wirkmächtig, manchmal eine Gottheit oder ein Geistwesen, manchmal ein literarischer Seelenbegleiter (Piranesi), ein Fluss oder eine Redefigur.
Die bereits seit Jahren währende Reisebewegung des Autors und Radiokünstlers durch den indischen und tibetischen Himalaya, an den Schnittstellen zwischen hinduistischen, buddhistischen, islamischen und schamanischen Kulturen, die mit den Dakini-Dialogen (2006, ebenfalls bei Ritter erschienen) begonnen hat, ist stets belebt von den verschiedenartigen Wirklichkeiten, Wirklichkeitsbezügen oder -konstrukten der dem Autor begegnenden (und unterschiedlich wirkmächtigen) Wesen und des zu gehenden Erzählweges. Wie das Tiefste mit dem Oberflächlichsten in Verbindung steht und die Lotosblume aus dem Schlamm heraus wächst, findet auch bei Peter Pessl so manch’ schroffe Höhe (dieser Polyloge) ihre Entsprechung oder Vertiefung in einer urkomischen Wendung („...mein Piranesi aber aus dem Nichts auf mich einschrie, ich müsse es unbedingt bei all meinen Aufzeichnungen und Wesensvermutungen ganz genau so halten wie er, der ja in den enormen Tatsachen der römischen Antike, keinesfalls aber in Phantasmen und Träumereien über sie verschwunden sei, und niemals umgekehrt!, er schrie, ich könne nicht ganz einfach (als Pinocchio) zurückkehren aus einer unbekannten in eine mir bekannte Welt...“) oder in einem Zornausbruch, der sich seitenlang gegen den „ökonomischen Terror der Jetztzeit“ richtet, die „ratlosen Berufsbetrachter der Wortszene“ angreift oder sich gegen die Wissenschaften wendet. „Was es sicher nicht gibt: Wissenschaft als Ausdruck eines menschlichen Willens zur Erkenntnis, wo doch die Menschfiguren willenlos sind vor Kleinheit, Komik (Demenz) und klappernder Spukgestalt.“
Wobei Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart, Innen und Außen zusammen stets nur eine Scheinwirklichkeit ergeben, und die „Aufgabe“ des Autors darin besteht, mit allen Mitteln der Sprache, das Gewebe dieser Scheinwirklichkeit durchlässig zu machen, um hindurch scheinen oder aufblitzen zu lassen das ursprüngliche Gesicht des Menschen. Damit ist Schreiben und Lesen Meditation und spirituelle Praxis, eine Haltung „in offener Ambivalenz“.
[ Lieblingszitat ] „Ich fragte:
„Wer spricht im Mythos?
Wer in der Wissenschaft?“
Da antwortete sie:
„Im Mythos sprechen die Gottheiten,
Menschenfiguren über dieselben Gottheiten,
Geister, die Wesen und Dinge
(und gemeinsam alle mit und über einander)
In der Wissenschaft sprechen die Menschen ausnahmslos von sich selbst.
Sie sind verlassen
(von allen guten und bösen Geistern) und frieren.
Die freie oder befreite Erzählung, die du vorschlägst,
als Heilung,
ist Mythos-Literatur!“
[ Info ] Pessl, Peter: DAS WEISSE JAHR.
Aufzeichnungen aus dem Himalaya. Teil 2..
Ritter,
Klagenfurt, Graz, Wien, 2008
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ISBN: 978-3-85415-430-3.
Genre: Erzählende Prosa
Stichworte: Spiritualität, Sinntiefe, Reise, Meditation, Kolonialismus, Gesellschaftskritik, Erleuchtung, Buddhas
Sprachen (Buchtipp): Deutsch