Über Cristina Beretta
- Leserprofil
Name: Cristina Beretta
Sprache: Italienisch
Stadt: Berlino
Land: ITA
Bücher: 27
- Weitere Buchtipps
Keine Resultate gefunden
![]()
[ Buchtipp von Cristina Beretta ] “Du schickst dich an, den neuen Roman 'Wenn ein Reisender in einer Winternacht' von Italo Calvino zu lesen. Entspanne dich. Sammle dich. Schieb jeden anderen Gedanken beiseite. Lasse zu, dass sich die Welt, die dich umgibt, in Undeutlichkeit auflöst.” Dies ist der Anfang des Romans, den Calvino selbst beschreibt als “ein(en) Roman über das Vergnügen des Lesens; der Protagonist ist ein Leser, der zehn Mal ein Buch zu lesen beginnt, das aufgrund äußerer Umstände nicht zum Ende kommt. Ich musste also die Anfänge von 10 Romanen fiktiver Autoren schreiben, jeder auf eine bestimmte Art verschieden von mir und untereinander.”
Und so findet sich der Leser in einer Bücherei wieder, um den neuen Roman von Italo Calvino zu kaufen und, voller Vorfreude, nach Hause zurückzukehren. Er beginnt zu lesen und wird, als würde er in die Handlung hineinversetzt, von dem schlechten Seitenlayout des Bandes unterbrochen; und so kommt er in seiner Lektüre nicht über die ersten Seiten des Buches hinaus. Er kehrt in die Bücherei zurück, um seine fehlerhafte Ausgabe umzutauschen, und begegnet dort einer Leserin, die das gleiche Problem hat. Sie beginnen gemeinsam mit der Lektüre des nun ersetzten Buches. Da aber auch dieses nicht komplett ist, gehen sie auf die Suche nach dem Schluss. Sie entdecken ein drittes Buch, welches wiederum verschieden ist. Die Suche nach dem Schluss bringt sie über viele Umwege an sehr realistische, sehr fantastische Orte.
Auch die Personen im Buch sind zugleich fantastisch und extrem realistisch. Da sind Leser, die nur daran interessiert sind, den Autor gemäß den Tendenzen des zeitgenössischen Denkens einzuordnen, und die ein Buch und einen Autor anhand der Namen der großen Meister beurteilen. Es gibt auch jene, die aus beruflichen Gründen lesen: die Professoren an der Universität zum Beispiel, mit ihrer Rivalität und ihrer literarischen Polemik. Aber der Leser und die Leserin setzen ihre Suche fort, und lassen “die von der intellektuellen Analyse zerrissenen Seiten” hinter sich. Ihr Weg führt sie nun in ein Verlagshaus. Hier treten die Bücher als Rohmaterial auf, als Ersatzteile, als Rädchen, die man nach Belieben einsetzen und wieder austauschen kann. Und dann gibt es noch jene, die Bücher überhaupt nicht lesen, sondern sie nur benutzen, um Skulpturen zu bauen. Oder auch Schriftsteller, die sich nicht dem Lesen hingeben können. Solche, die nicht lesen, sondern um Zeit zu sparen, die Wörter des Textes von einer elektronischen Rechenmaschinen analysieren lassen, um eine kritische Studie zu erhalten, ohne das Buch lesen zu müssen.
Dann gibt es Marana: ein verrückter Übersetzer, ein literarischer Terrorist, der Autor dieses ganzen Durcheinanders. Er versucht, die Leserin von ihrer Meinung abzubringen, dass “Lesen bedeutet, sich freizumachen von allen Absichten und von aller Parteinahme, um bereit zu sein, eine Stimme aufzunehmen, die man hört, wenn man sie nicht erwartet, eine Stimme, von der man nicht weiß, woher sie kommt.“ Laut Marana gibt es nichts hinter der beschriebenen Seite: Die Welt existiert nur als Kunstwerk. Dies ist ein Meta-Roman, eine Abfolge von Welten, ein ironisch-literarisches Spiel, abenteuerlich und intelligent, in dem Calvino die Mechanismen und Tricks des Lesens und Schreibens vorführt und anwendet. Es ist ein Labyrinth, aber der Leser (nein, nicht der Protagonist des Buches, dieses Mal ist der wirkliche Leser gemeint) weiß, dass er vor nichts Angst haben muss; dass er in den geschickten Händen des Autors in Sicherheit ist, der mit seinem Stift in seinem Kopf zeichnet, was er will. Also bleibt nichts anders übrig, als sich dem Lesen hinzugeben.
[ Info ] Calvino, Italo: Wenn ein Reisender in einer Winternacht.
(Sprache d. Buchs: Italienisch)
DTV,
München, 2007
.
ISBN: 978-3423105163.
Keine Resultate gefunden
Keine Resultate gefunden