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[ Buchtipp von Melitta Becker ] Die Tatsache, dass nur noch 0,3 Promille aller gespeicherten Daten auf dem Papier stehen, alles andere auf optischen und magnetischen Datenträgern lagert, lässt die Frage nach der Ver-ortung des Archivs neu stellen. Das scheinbar verstaubte Thema Archiv erhält im digitalen Zeitalter nicht nur neue Topologien und Zugangsformen, sondern auch eine neue sinnliche Lesart. Der Sammelband Bürokratische Leidenschaften, herausgegeben von Sven Spieker, begibt sich auf eine andere, eben sinnliche Art der Spurensuche nach Orten und Formen des Aufbewahrens, erweitert um eine kultur- und medienwissenschaftliche Blickrichtung. Nicht nur die klassische Verwaltung von Büchern und Akten, sondern auch die Archivierung von Bildern, Körpern und Stimmen öffnet den Archivbegriff in anthropologische Dimensionen. Das Zusammenspiel von Archiv und Gedächtnis, das Gedächtnis in den Genen, der menschliche Speicher von Trauma-Inventaren, die Ordnung in der Person, die Entropie und die Phantasmen der Bürokratie finden sich thematisiert als Fragen des Ordnens und Organisierens, des Institutionalisieren, des Ausschließens, des Festhaltens, des Fortschreibens, des Aufspüren und Verwerfens. Das alles spricht letztendlich nicht nur von den Leidenschaften der Bürokratie, sondern auf von denen des Lebens.
Mit Beiträgen von Philippe Codognet, Bernhard J. Dotzler, Wolfgang Ernst, Boris Groys, Christoph Hoffmann, Uwe Jochum, Wolf Kittler, Markus Krajewski, Dragan Kujundzic, Gloria Meynen, Stefan Rieger, Bernhard Siegert, Sven Spieker, Hans-Christian von Herrmann, Geoffrey Winthrop-Young, Herta Wolf.
[ Info ] Spieker, Sven (Hrsg.): Bürokratische Leidenschaften.
Kadmos,
2004
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Genre: Wissenschaftliche Abhandlung
Stichworte: interessant
Stil: lehrreich
Sprachen (Buchtipp): Deutsch