Über Sonja Eismann

Sonja Eismann

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Name: Sonja Eismann
Sprache: Deutsch
Stadt: Berlin
Land: DEU

Bücher: 15

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Es war einmal eine Familie

Doron, Lizzie

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[ Buchtipp von Sonja Eismann ] Elisabeth ist eine Angehörige der sogenannten zweiten Generation. Als sie Ende der 1990er Jahre als erwachsene Frau zur Schiwa, der siebentägigen Totenwache, in die Wohnung ihrer verstorbenen Mutter am Stadtrand von Tel Aviv zurückkehrt, wird ihr wieder mit voller Wucht bewusst, was dieser Stempel bedeutet: stets vom Tod, vom Leid und Verlust der Überlebenden der Shoah umgeben zu sein. Nach der Befreiung aus den Konzentrationslagern hatten diese gehofft, in Israel ein neues Leben aufbauen zu können, und waren doch, in ihren jiddischsprachigen Vierteln, ständig vom Nicht-vergessen-Können gequält.

So erinnert sich Elisabeth in der nun leeren Wohnung ihrer Kindheit, zum Beispiel daran, wie ihre allein erziehende Mutter Helena ihr zu ihrer Scham verbot, in der Schule an einer Ehrenfeier für einen bei Gefechten mit Arabern getöteten zionistischen Helden teilzunehmen. Und sie findet auch den dazugehörigen Brief an ihren Lehrer, in dem Helena im März 1964 schrieb: „Ich muss meine Tochter, die nach dem schrecklichen Krieg auf die Welt kam, lehren, das Leben zu lieben. Sie muss wissen, dass, wenn sie, was Gott verhüten möge, einmal kämpfen muss, sie dann kämpfen wird, um zu leben, und nicht, weil es gut ist, zu sterben, wie Sie und Trumpeldor glauben.“

Alle Kinder der Nachbarschaft leiden unter ihren traumatisierten Eltern, so wie diese unter ihren Erinnerungen leiden. Während Zila ihren einzigen Sohn nicht einmal unter der Dusche alleine lassen will – „'Das ist das Gas, das ist wieder das Gas!' schrie sie, wenn sie den Dampf vom heißen Wasser sah“ – träumt dieser davon, ein militärischer Held für die junge israelische Nation zu werden. Damit stehen die beiden stellvertretend für die zwei Generationen, die Lizzie Doron, selbst Tochter einer Holocaust-Überlebenden, hier mit klarer, präziser Sprache einander mit all ihren Wünschen und Wunden gegenüberstellt.

Das Buch, in Israel bereits 2002 erschienen und wie Dorons andere Romane ebenfalls autobiografisch gefärbt, ist ihren sieben Klassenkameraden gewidmet, die 1973 im Jom-Kippur-Krieg ums Leben kamen – und es zeichnet damit die Potenzierung der Tragödie nach. „Die Deutschen haben wir hier besiegt, nicht mit Kanonen, nicht mit Panzern und nicht mit Flugzeugen. Wir haben sie besiegt, indem wir Familien gegründet und Kinder auf die Welt gebracht haben. Und jetzt, da man unsere Kinder tötet, verlieren wir auch den Krieg von damals”, so Helena. Dass Lizzie Doron es schafft, diese niederschmetternden Erfahrungen den LeserInnen unbeschönigt nahe zu bringen, ohne hoffnungslos zu klingen, grenzt an ein kleines Wunder.

[ Lieblingszitat ] Unsere Eltern sind mehrmals ums Leben gekommen. Meine Eltern, weißt du, sind das erste Mal im Krieg ums Leben gekommen, ein zweites Mal, als sie hier einwanderten, ein drittes Mal, als Judale fiel, und ein viertes und letztes Mal, als sie starben.

[ Info ] Doron, Lizzie: Es war einmal eine Familie. (Sprache d. Buchs: Deutsch) Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2009 (2002). ISBN: 978-3-633-54235-2.


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Stichworte: Tod, Shoah, Mutter-Tochter-Beziehung, Erinnerung
Stil: klar, berührend
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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