Über Thomas Ganzberger
- Leserprofil
Name: Thomas Ganzberger
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT
Bücher: 8
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[ Buchtipp von Thomas Ganzberger ] Das Wunderliche tut sich auf im Glauben. Zwischen den Reliquien, die sich finden im Keller des Kapuzinerklosters in B., ist auch ein Fläschchen, welches der Teufel dem heiligen Antonius gereicht haben soll um ihn zu versuchen. Versuchung ist (zumindest im Roman) einen Versuch wert, so nimmt der Bruder Medardus einen Schluck und es erfüllt ihn der Hochmut sein Leben im Kloster zu beenden und er kommt in die Welt. Dort läuft er dem Teufel nach, eben der Liebeslust nach einer Aurelie, die eigentlich sich gar annähert an die heilige Rosalia und er mordet und er büßt in regelmäßiger Abwechslung auf seiner wunderlichen Reise durch die Alpen bis nach Rom und wieder zurück in diesen Ort B. (bei dem Hoffmann wohl an Bamberg dachte). Wunderlich sind nicht nur die Ereignisse, dieser Doppeltgänger und dieses schnelle Hin- und Herfahren zwischen der Vernunft und der Unvernunft, aus der der Wahnsinn ausbricht. Wunderlich ist auch die Erzählung, wenn sie ziemlich im Sinne eines magischen Realismus abgleitet in jene Beschreibungen, die ganz phantastisch daherkommen - oder ist es nur subjektive Täuschung des Ich-Erzählers (das Spiel um diese Frage immer dabei)?
Für den Leser eingewoben in das Netz der schwarzen Geschichte, der Witz und der Anreiz zur Lust, des von Langeweile geplagten Lesers, mitzugehen in den irrwitzigen sündigen Abenteuern. "Langeweile ist aller Laster Anfang" im eigentlichen Wortsinn, so umspielt Hoffmann den Leser und nimmt ihn moralisch in Beschlag, wenn aus dem Abenteuer wieder ein Alptraum wird. Doch dann ist alles wieder nur ein Witz: Let me entertain you.
[ Lieblingszitat ] Ich bat den wunderlichen kleinen Mann, sich nicht so zu ereifern, indem ich seiner Geschicklichkeit alles zutraue. "Geschicklichkeit? - Wer war geschickt? - Jener, der das Maß nahm nach fünf Augenlängen und dann springend dreißig Ellen weit in den Graben stürzte. - Jener, der ein Linsenkorn auf zwanzig Schritte weit durch ein Nähnadelöhr schleuderte? - Jener, der fünf Zentner an den Degen hing und so ihn an der Nasenspitze balancierte sechs Stunden, sechs Minuten, sechs Sekunden und einen Augenblick? - Ha, was ist Geschicklichkeit! [...]Die Kunst, mein Herr, die Kunst! - Meine Fantasie irrt in dem wunderbaren Lockenbau, in dem künstlichen Gefüge, das der Zephyrhauch in Wellenzirkeln baut und zerstört. - Da schafft sie und wirkt und arbeitet. - Ha, es ist was Göttliches um die Kunst, denn die Kunst, mein Herr, ist eigentlich nicht sowohl die Kunst, von der man so viel spricht, sondern sie entsteht vielmehr erst aus dem allen, was man die Kunst heißt! - Sie verstehen mich, mein Herr, denn Sie scheinen mir ein denkender Kopf, wie ich aus dem Löckchen schließe, das sich rechter Hand über Dero verehrte Stirn gelegt." (S. 97)
[ Info ] Hoffmann, E.T.A.: Die Elixiere des Teufels.
(Sprache d. Buchs: Deutsch)
Fischer Klassik ,
Fft./Main, 2008
(1815-1816).
ISBN: 978359890633.
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