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Kapuściński, Ryszard (Translated from the Polish by William R. Brand and Katarzyna Mroczkowska-Brand)
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Despotie und Revolution – oder »Angst essen Seele auf«Â
Ryszard KapuÅ›ciÅ„skis »Shah of Shahs« (auch auf Deutsch erhältlich: »Schah-in-schah«, Eichborn) ist eine ausgezeichnete Analyse der so genannten Islamischen Revolution 1979 im Iran sowie der Ereignisse, die dazu geführt haben. Der sinnlich-intellektuelle Essay beschreibt schließlich eine Geschichte, die bis in die Gegenwart anhält. Erstaunlich ist, wie aus heutiger Sicht noch die Geschichte : Zukunft der letzten drei Dekaden durch den Text hindurchleuchtet. Und zweifellos ist das Buch – Reportage, Analyse, Essay, philosophischer Traktat – geeignet, die gegenwärtigen Ereignisse im Iran besser einschätzen.Â
KapuÅ›ciÅ„ski, der im Iran die 27. Revolution mitverfolgt und teils miterlebt hat, geht es um eine Analyse der Macht, der Machtmechanismen, des Terrors und der Unterdrückung sowie eine Darstellung der Elemente der Revolution. Dabei lässt sich der Autor auf seinen Gegenstand vollends ein, was seine Beschreibung eindringlich & anschaulich macht, wie er sich andererseits zurückhält, was seiner Diagnose Nüchternheit & Luzidität verleiht. Ein zentrales Augenmerk wirft KapuÅ›ciÅ„ski auf die Sprache, die als System der Macht funktioniert, wie sie andererseits einen Despoten – ein einziges falsches Wort genügt – zu Fall bringen kann. Gleichsam der dritte Faktor zwischen Machthaber, zwischen Machtapparat und Unterdrückten ist die Angst, und die aufrechtzuerhalten & zu füttern zu den wichtigsten Aufgaben des Despoten gehört: »Fear: a predatory, voracious animal living inside us. It does not let us forget it’s there. It keeps eating at us an twisting our guts.« Die Revolution hängt vom Nachlassen dieser Angst ab. Aber KapuÅ›ciÅ„ski, der wusste, wie unwahrscheinlich es ist, dass die geeignete Konstellation für eine Revolution eintritt, wusste zugleich, wie ungleich leicht es war, einen Despoten zu stürzen, ohne infolge die Bevölkerung von einer Despotie zu befreien.Â
Schließlich greift Kapuściński aber stets auf die Geschichte des Landes zurück und vergisst auch jenen Punkt nicht, der in gegenwärtigen Bezugnahmen auf den Iran allzu oft wie weggewischt erscheint: Es betrifft den einzigen Versuch – unter Premierminister Mohammad Mossadegh (1951-53) –, eine Demokratie zu installieren, die mit der Verstaatlichung der Erdölindustrien schlagartig beendet wurde. Mithin eine zutiefst unrühmliche Geschichte des Westens (Großbritanniens, der USA u.a.), der in diesem Augenblick um alles in der Welt seine eigenen Interessen vor denen einer demokratischen wie emanzipatorischen Entscheidung eines Landes vertrat.
[ Lieblingszitat ] Angesichts selbst erlebter Folter bringt ein Betroffener auf den Punkt, was er in tiefster Resignation als den Fluch des Denkens charakterisiert: »God, he said, why have you chastised me with such a terrible deformity as thinking? Why have you taught me to think, instead of teaching me the humility of cattle!«
[ Info ] Kapuściński, Ryszard: Shah of Shahs. With an Introduction by Christopher De Bellaigue. (original language: Englisch) Translated from the Polish by William R. Brand and Katarzyna Mroczkowska-Brand. Penguin Books, London, 2006 (1985). ISBN: 978-0-14-118804-1.
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