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Über Antje Flemming

Antje Flemming

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Name: Antje Flemming
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Atemschaukel

Müller, Herta

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[ Buchtipp von Antje Flemming ] Er schwingt, der neue Roman „Atemschaukel” (Hanser Verlag) der frisch gekürten Nobelpreisträgerin Herta Müller. Gerade ist man noch schockiert vom abgründigen Grauen, schon katapultiert einen die ebenso schlichte wie funkelnde und ungemein anrührende Sprache wieder in die lichten Höhen der Poesie. Müller erzählt die Geschichte eines ganz jungen Mannes, dem seine Jugend geraubt wird.

Leo Auberg ist 17 Jahre alt und beginnt soeben das Leben mit all seinen Verführungen zu entdecken, als der Rumäniendeutsche 1945 in ein Arbeitslager zum Wiederaufbau der Sowjetunion gesteckt wird. In der Steinkohle lernt er zwar nicht das Leben, aber das Überleben: „Ich habe meinem Heimweh schon lange trockene Augen beigebracht. Und jetzt möchte ich noch, dass mein Heimweh auch herrenlos wird. [...] Dann ist mein Heimweh nur der Hunger nach dem Ort, wo ich früher einmal satt war.” Die Worte der Großmutter, „Ich weiß, du kommst wieder”, sind es, die Leo den „Hungerengel” und die fünf Jahre währende „Hautundknochenzeit” ertragen lassen. Doch nach seiner Rückkehr muss er erfahren, was es heißt, ein Vergessener zu sein. Die Welt hat sich weiter gedreht – ohne ihn.

Wie in den Texten von Primo Levi oder in Tadeusz Borowskis „Bei uns in Auschwitz” schlüsselt der Roman auf, wie es gelingen kann, inmitten des Unmenschlichen die Menschlichkeit überleben zu lassen. Ist man noch ein Mensch, wenn man dem Nachbarn das Brot stiehlt? Wenn man der Ehefrau die Suppe weglöffelt? In Müllers Buch ist es die schwachsinnige Panton-Kati, an der sich die Humanität der Lagerinsassen beweist: „An ihr können wir gutmachen, was wir einander antun.” In Leos fein gestimmtem Sinn für die Sprache, der ihn am Leben hält, schimmert die Sprachmagie Oskar Pastiors durch.

Herta Müller wollte ihr Buch gemeinsam mit dem Freund schreiben, reiste mit ihm in die Ukraine, zeichnete die Erinnerungen an seine Lagerzeit auf und hat den Roman nun doch allein verfasst, nachdem Pastior vor drei Jahren so plötzlich verstarb. Mit ihrem erschütternd schönen Roman hat sie dem Freund ein Denkmal gesetzt, ein Stück europäische Geschichte dem Vergessen entrissen – und großartige Literatur geschaffen. Dies wird dank der Stockholmer Entscheidung für den Literaturnobelpreis 2009 nun die ganze Literaturwelt erfahren.

[ Lieblingszitat ] "Sieben Jahre nach meiner Heimkehr war ich seit sieben Jahren ohne Heimweh. als ich auf dem Großen Ring im Schaufenster der Buchhandlung ,Fiesta' von Hemingway sah, las ich aber ,Fiesta' von Heimweh. Darum kaufte ich das Buch und machte mich auf den Heimweh, den Heimweg."

[ Info ] Müller, Herta: Atemschaukel. (original language: Deutsch) Hanser Verlag, München, 2009 . ISBN: 978-3-446-23391-1.


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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