[ Buchtipp von Daniel Zahno ]
Reisen ist eine Brutalität
Allein schon das Motto von Cesare Pavese lohnt die Anschaffung dieses Buches: "Reisen ist eine Brutalität. Es zwingt einen, Fremden zu vertrauen und all dem gewohnten Trost von Heim und Freunden zu entsagen. Man ist dauernd aus dem Lot. Nichts gehört einem, ausser den wesentlichen Dingen - Luft, Schlaf, Träume, das Meer, der Himmel - lauter Dinge, die der Ewigkeit zuneigen oder dem, was wir uns darunter vorstellen."
Dieses ketzerische Motto wird anhand der Geschichte von Mary und Colin, mit denen wir durch Venedig streifen, so lapidar wie raffiniert veranschaulicht. Die beiden geraten in die Fänge eines undurchsichtigen einheimischen Paars und vermögen sich aus der seltsamen Verstrickung nicht mehr zu lösen. Das Ende ist eine Brutalität. Vielleicht nicht McEwans bestes Buch, wenn man etwa an den "Zementgarten" denkt, aber ein atmosphärisch ungemein dichtes Werk, das von subtiler Figurenzeichnung und perfekter Dramaturgie lebt. En passant erfährt man einiges über den Schauplatz und die Abgründe, die sich in jedem Menschen auftun. Ein tückischer Roman, der auch beim Wiederlesen nach Jahren noch zu verstören vermag.
[ Info ] McEwan, Ian: Der Trost von Fremden.
Diogenes,
1985
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ISBN: 3-257-21266-6.