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Name: Et Al
Sprache: Deutsch
Stadt: Wien
Land: AUT

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King Leopold’s Soliloquy

A Defense of His Congo Rule

Twain, Mark

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[ Buchtipp von Et Al ] Soliloquy? Selbstgespräch des Königs Leopold II. von Belgien? „Eine Verteidigung seiner Herrschaft im Kongo“, von König Leopold selbst – man wird über den Titel von Mark Twains Schriftstück zuerst stolpern, und während er einem unwillkürlich auf der Zunge zergeht, wird er allmählich seinen bissig-bitteren Geschmack voll entfalten. Twains satirisches Pamphlet ist freilich die Persiflage einer fiktiven Selbstverteidigung, die tatsächlich eine niederschmetternde Selbstbezichtigung und Selbstverurteilung darstellt. 
 
  Nachdem jegliche Kritik an den Unmenschlichkeiten im Kongo von König Leopold abgetan wird als schlechte Nachrede, Verleumdung, Rufmord, bleibt dem Kritiker nur noch die Flucht in die Verteidigung – bzw. in die Dekonstruktion der Verteidigung. Twain stellt diese Lage der Geschichte und der Kritik in einer theatralischen Geste dar, König Leopold und sein System des Kongo-Freistaats erscheinen als unglaubliches Theater, weil das Grauen bereits anders denn als Komödie oder Satire unfassbar geworden ist. Satire ist im gesteigerten Fall eine verzweifelte Schutzmaßnahme vor der Verzweiflung.

  Wie unbegreiflich auch immer, die Geschichte König Leopolds II. ist im Lauf des 20. Jahrhunderts in kollektive Vergessenheit geraten und erst in den letzten Jahren wieder in Erinnerung gerufen worden. Nur vorab, es ist eine zutiefst europäische Geschichte: König Leopold II. ist jener Mann, der 1885 den Kongo, also geradezu einen halben Kontinent, in Besitz nahm, nachdem es ihm gelungen war, auf der so genannten Kongokonferenz in Berlin (1884/85) Europa zu überzeugen, dass dies in höchstem gemeinsamen Interesse aller Beteiligten sei. Von 1885 bis 1908, also 23 Jahre lang und somit nahezu ein Vierteljahrhundert, war der Kongo im Privatbesitz König Leopolds II. und trug offiziell den Namen »Freistaat Kongo«. Mit diesem hübschen Beiwort sollte übrigens zum Ausdruck gebracht werden, dass König Leopold sich verpflichtete, den Sklavenhandel zu beenden, wie Leopold seine Besitznahme insgesamt als Projekt der Zivilisation adelte & legitimierte. Dass ihm das derart leicht & leichtfertig abgekauft wurde – die USA gehörten zu den ersten Staaten, die sich übereilten, den Herrscher zu seinem neuen Staatsunternehmen herzlichst zu beglückwünschen – ist freilich verwunderlich wie es desaströs war: für die Entwicklung eines ganzen Landes, vielleicht eines ganzen Kontinents – bis zum heutigen Zeitpunkt!

  König Leopold II, zu Hause in Belgien ein konstitutioneller Monarch (mit entsprechend eingeschränkter Macht) lebte sich als absoluter Herrscher in seinem Privatstaat aus, ohne dessen Boden je selbst betreten zu haben. Der König hatte nicht allein eine ganze Bevölkerung (unter Verwendung täuschender Verträge) unrechtmäßig enteignet, sondern die gesamte Bevölkerung nach und nach zu absoluten Untertanen degradiert, die systematisch und mit den unheiligsten Mitteln ausgebeutet wurden. Und nicht genug, der Kongo-Freistaat war eines der schrecklichsten Herrschafts- und Mördersysteme: In den 23 Jahren fanden schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen den Tod.[1] 

  Twains Pamphlet erscheint im Jahre 1905, als König Leopold noch drei weitere Jahre den tatsächlich so genannten »Freistaat Kongo« als Privatkolonie betreiben wird. Twain lässt, wie gesagt, König Leopold sich selbst spielen: König Leopold, wie er Auszüge aus Augenzeugenberichten aus dem Kongo, aus Einsprüchen, aus Kritiken und Verurteilungen seines Privatunternehmens »Freistaat Kongo« liest und kommentiert – in (s)einem königlichen Kämmerlein in Belgien vermutlich, unbeobachtet, ganz für sich selbst, als absoluter Herrscher. Die Zitate selbst stammen aus den Berichten Eduard Dene Morels sowie dem Casement Report des britischen Diplomaten Roger Casement, die erstmals die so bezeichneten »Kongogräuel« öffentlich gemacht hatten und denen es trotz der vehementesten Vertuschungskampagne Leopolds und seines Brüsseler Pressebüros gelang, den Autokraten zu Fall zu bringen: 1908 musste König Leopold seine bisherige Privatkolonie, von nun an »Belgisch-Kongo« an den Belgischen Staat abtreten.

 Was der König – in der Darstellung Twains – in Reaktion auf die Verbrechensberichte und auf seine Kritiker zu sagen hat, ist schlichtweg reinster Zynismus. Durch seine inszenierte Selbstverteidigung offenbart er sich als grenzenlos skrupelloser, geldgieriger Tyrann, der unter dem Deckmantel des Christentums und des Philanthropismus sowie mit allem Kalkül eine Schreckensherrschaft führt, die einzig der eigenen materiellen Bereicherung dient. Darauf hin weist bereits das den Buchdeckel schmückende eigentümliche Emblem bestehend aus einem Kruzifix und einem Fleischermesser, die sich gegenseitig durchkreuzen, links und rechts von einem Totenschädel flankiert, sowie der Subscriptio »By This Sign We Prosper« / »Unter diesem Zeichen werden wir florieren / zu Reichtum gelangen«. Im Lauf des Selbstgesprächs entschlüsselt es sich als König Leopolds privates Logo. Emblematische Zeichnungen dieser Art gibt es noch einige im Innern des Pamphlets, darunter »A memorial for the perpetuation of my name“, eine Pyramide aus den Schädeln der Ermorderten des Kongo, von der strahlenförmig aneinandergereihte Skelette ablaufen, auf der Spitze der Pyramide steht selbstherrlich König Leopold. Die makabre Emblematik freilich ist ein Reflex auf die unerbittlich hartnäckigen Versuche König Leopolds, das Unternehmen »Kongo Freistaat« als humanistisches Werk zur Besserung der Lebensbedingungen der Schwarzen im Kongo darzustellen und die andauernden »Kongogräuel« herunterzuspielen, zu vertuschen und vollends zu leugnen.



Mark Twains Soliloquy auf Deutsch:

Mark Twain: König Leopolds Selbstgespräch. Übersetzt von Stefan Heym. Tribüne Verlag Tribüne, 1961

Rolf Italiaander (Hg.): König Leopolds Kongo. Dokumente und Pamphlete von Mark Twain, Edmund D. Morel, Roger Casement. München: Rütten + Loening Verlag, 1964



[1] Cf. http://users.erols.com/mwhite28/warstat2.htm

[ Lieblingszitat ] In these twenty years I have spent millions to keep the press of the two hemispheres quiet, and still these leaks keep on occuring. I have spent other millions on religion and art, and what do I get fort it? Nothing. Not a compliment. These generosities are studiedly ignored, in print. In print I get nothing but slanders—slanders again—and still slanders, and slanders on top of slanders!


That ist to say, the incorruptible kodak – and all the harmony went to hell! The only witness I have encountered in my long experience that I couldn’t bribe.

[ Info ] Twain, Mark: King Leopold’s Soliloquy. A Defense of His Congo Rule. (Sprache d. Buchs: Englisch) The P. R. Warren Co., Boston, 1905 Second Edition (1905).


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