Über Beat Mazenauer

Beat Mazenauer

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Name: Beat Mazenauer
Sprache: Deutsch
Stadt: Luzern
Land: CHE

Bücher: 131

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Ich

Hilbig, Wolfgang

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[ Buchtipp von Beat Mazenauer ] Zwanzig Jahre Mauerfall - das bietet auch Gelegenheit, die ehemalige DDR in einem literarischen Zeugnis in Erinnerung zu rufen. Wolfgang Hilbigs „Ich“, eine Abrechnung mit dem Spitzelsystem (siehe der Film „Das Leben der Anderen“), ist ein grossartig komponierter, analytisch präziser und von feinem Sarkasmus unterminierter Roman, der Hilbigs ganze Sprachkraft demonstriert.

Vordergründig erzählt Hilbig die eigene Verfolgungsgeschichte durch die Stasi, um hinterrücks die Muster einer repressiven Tiefenstruktur und die Tristesse der endachziger Jahre im Osten Deutschlands zu beschreiben. Eine eigentümliche Zeitlosigkeit umfängt alles Geschehen. Nur in Randbezirken des sozialen Lebens, der Arbeiterkneipe am Eck, scheint es so etwas wie Wahrhaftigkeit noch zu geben: Der Rest ist Simulation, Maskerade aus Furcht, das totale Gefühl von "Abwesenheit" und Leere - ein Leben in realer Unwirklichkeit.

Dem entgegen glaubt der Hilfsarbeiter und Dichter M.W. frühzeitig gelernt zu haben, "dass man Vorteile für sich den Machtinhabern dieser Welt am schnellsten entreißt, wenn man es im Bündnis mit ihnen tut." Diese Einsicht erweist sich freilich als trügerisch, weil er es nur um den Preis der entfremdeten Existenz zu tun vermag, und zudem bloss reines Instrument bleibt, das von oben gesteuert wird. M.W. lässt sich von der Stasi als Dichter aufbauen, im trügerischen Glauben, als Dichter sei er frei. Weil die Literaturszene sich entpolitisiert zu haben scheint, inszeniert die Stasi selbst eine „Simulation“ und schleust dafür den Maulwurf ein - mit dem Effekt, dass fortan IM von IM observiert wird. Ein Gipfel des Kontrollwahns und zugleich seine letzte Konsequenz. Die Stasi simuliert die eigene Opposition, um das eigene Machtsystem zu legitimieren. Denn nichts ist für die "Firma" so schädlich wie schändlich als völlige politische Indifferenz.

Hilbigs Analyse verrät, wie sich Macht und Opposition gegenseitig bedingen und (contre coeur) gemeinsam dasselbe System stützen. Wolfgang Hilbig schildert das in der Form eines absurden Thrillers.

[ Info ] Hilbig, Wolfgang: Ich. (Sprache d. Buchs: Deutsch) S. Fischer, Frankfurt, 1993 .


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Stichworte: Vergangenheitsbewältigung, Stasi, DDR, Grauzone, Verschwörung
Stil: intensiv, verstörend
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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