Über Christoph Keller
- Leserprofil
Name: Christoph Keller
Sprache: Deutsch
Stadt: St. Gallen / New York
Land: CHE
Bücher: 9
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[ Buchtipp von Christoph Keller ] Durch die Erzählungen von Andrej Blatnik zieht sich ein Thema: die Kommunikationsunfähigkeit einer Generation, die den Spagat zwischen dem Tito-Kommunismus, in dem sie aufgewachsen ist, und dem EU-Kapitalismus, in dem sie jetzt lebt, versuchen muss. Satz für Satz baut Blatnik in seinen Erzählungen jenen filigranen, ewig fragilen Zustand auf, der am Ende nicht nur die Welt der beschriebenen in Frage stellt, sondern auch jene des Lesers gefährliche, also grosse Literatur.
Da ist das Mädchen, das, nachdem es eine Wasserleiche entdeckt hat, von zwei Polizisten bedrängt wird, die Sprache aber nicht finden kann, diese loszuwerden. Da ist die Frau, die sich bei einem Architekten einnistet, bis sich herausstellt, dass sie gegen die Stelle des Architekten, den dieser an ihren Ehemann verliert, eingetauscht worden ist. Da ist der Mann, der seine Frau im Bett mit seinem besten Freund überrascht und zur Pistole greift, was aber nicht zu einem Mord, sondern einer fidelen ménage à trois führt. Da ist der Junge, der mit seiner elektrischen Gitarre unbeabsichtigt seinen Säufervater hinrichtet. Da ist der (gleiche?) Junge, der seine Mutter mit dem Monster verwechselt, das er gerade in einem Horrorfilm gesehen hat, und sie ersticht.
Dieser und und ein zweiter Erzählband ("Das Gesetz der Leere") von Andrej Blatnik sind auf Deutsch erhältlich, beide elegant von Klaus Detlef Olof übertragen. Es ist zu empfehlen, diese beiden schmalen Bände nacheinander, gar durcheinander zu lesen, und es ist zu hoffen, dass der verdienstvolle Wiener Folio Verlag weitere Bücher Andrej Blatniks übersetzen wird.
[ Info ] Blatnik, Andrej: Der Tag, an dem Tito starb .
Aus dem Slowen. v. Klaus Detlef Olof.
Folio Verlag,
Wien und Bozen 2005
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Genre: Erzählende Prosa
Stichworte: beispielhaft
Empfohlen für: Lehrstück
Sprachen (Buchtipp): Deutsch