Über Thomas Kraft
- Leserprofil
Name: Thomas Kraft
Sprache: Englisch
Stadt: Herrsching am Ammersee
Land: DEU
Bücher: 12
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[ Buchtipp von Thomas Kraft ] Herta Müller kommt von Rumänien nicht los. Die Diktatur diktierte die Wirklichkeit, sie retuschierte, grenzte aus und vernichtete. Sie okkupierte Sprache und verhinderte Reflexion. Rumänien ist nicht nur ein geografischer Ort, den Herta Müller 1987 verlassen hat, sondern auch ein Zustand und ein Trauma, die über Grenzen hinweg weiterwirken. Zu Hause ist sie in ihrer Sprache. Es ist eine raue, fast körperliche Sprache, voll innerer Spannung, lyrisch und karg zugleich. Sie hat zwei Wurzeln, denn das Banater Deutsch ihrer Heimat vermischt sich mit einer rumänischen Sprachwelt, die sie erst mit fünfzehn Jahren kennen gelernt hat. Es ist eine Sprache voll eigentümlicher Bilder. Herta Müller ist misstrauisch und hellhörig, sie klopft Begriffe genau ab, erkennt falsche Zwischentöne, insistiert im Nachfragen und ist um Differenzierung bemüht.
In ihren Tübinger Poetikvorlesungen aus den Jahren 2000 und 2001 sowie weiteren Vorträgen, die im vorliegenden Band gebündelt erschienen sind, umreißt sie den Kontext, in dem sie und ihre Sprache sich bewegen. Wie in einer Collage fügt sie die Kindheitsszenen aus dem dörflichen Bereich aneinander, zwischen Albtraum und Sentimentalität skeptisch schwankend. Sie reflektiert die Differenzen zwischen der Erfahrung, ihren Gegenständen und der Poesie auf der einen Seite und den Traumata der Diktatur. In "Der König verneigt sich und tötet" präsentiert sich Herta Müller widerständig und sperrig im Denken und formuliert einmal auf ihre unverwechselbare Art Überlegungen und Entäußerungen der Angst und des lange wirkenden Schreckens.
[ Info ] Müller, Herta: Der König verneigt sich und tötet.
Hanser,
München, 2004
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Genre: Erzählende Prosa
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
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