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Beat Mazenauer

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Der grosse Kater

Hürlimann, Thomas

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[ Buchtipp von Beat Mazenauer ] "Der Bundespräsident sass hinter dem Pult im Ledersessel." Mit zugekniffenen Lidern belauert er seine Gäste, wie sie über das Karomuster des Teppichs gehen. In der Art, wie sie auf die schwarzen oder weissen Felder achten, erkennt er, wen er vor sich hat.

Ein Roman in den höchsten Sphären der Macht, keiner scheint besser dafür geeignet als der Bundesratssohn Thomas Hürlimann. "Der grosse Kater" unterzieht die Schweizer Politik einer kritischen Gegenwartsanalyse in einem polyphonen, subtil verwobenen Prosawerk, das gleichermassen Politsatire wie Familienepos, philosophische Reflexion wie autobiographische Erzählung ist. Der Roman dreht sich um zwei Pole: während der Bundespräsident das spanische Königspaar zum Staatsbesuch empfängt, hat sein Sicherheitschef für das Damenprogramm einen Klinikbesuch angesetzt - in der der eigene Sohn im Sterben liegt. Innerhalb von rund 20 Stunden, chronologisch präzise strukturiert, vollzieht sich die Katastrophe. Die Frau verdächtigt ihren Gatten des pietätslosen politischen Kalküls, das nicht einmal vor dem Sterben in der eigenen Familie Halt mache und provoziert einen diplomatischen Eklat. Am Rande des Politischen liegt das Epizentrum des Romans: in der diffusen Abhängigkeit von öffentlicher Repräsentation und familiärer Intimität, die zuletzt beides in Mitelidenschaft zieht.

In Rückblenden, die das konzentriert ablaufende Geschehen immer wieder durchbrechen, erzählt Hürlimann die Geschichte eines gewieften Taktikers, der sich auf seinem Weg nach oben durch nichts aufhalten lässt. Das mutterlose Zuhause in der Dorfschmiede, die Erziehung im Kloster, die Politisierung in der Provinz, männerbündlerische "Freundschaften" in Militär und Studentenverbindung, die Heirat und schliesslich der grosse politische Auftritt markieren seine steile Karriere. Auf diesem Weg wird die Politik für den Machtmenschen familiär, zugleich vereinnahmt seine Politik die Familie.

"Der grosse Kater" spielt im Zwielicht zwischen Fiktion und Fakten. Hürlimann setzt immer wieder Schlüsselreize ein, insbesondere biografischer Natur. Doch dreissig Jahre nach den dem Roman zugrundeliegenden Ereignissen hat sich Hürlimanns Buch vom Schlüsselroman längst zum überzeugenden literarischen Spiel mit der Wahrheit emanzipiert.

Originalrezension auf culturactif.ch

[ Info ] Hürlimann, Thomas: Der grosse Kater. (original language: Deutsch) Ammann Verlag, Zürich, 1998 .


Dieses Buch ist ...

Genre: Roman
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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