Über Walter Grond
- Leserprofil
Name: Walter Grond
Sprache: Deutsch
Stadt: Aggsbach Dorf
Land: AUT
Bücher: 33
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[ Buchtipp von Walter Grond ] Ich halte diesen Roman für den vielleicht aufschlussreichsten, was den Paradigmenwechsel unserer Kultur betrifft.
Siri Hustveds Ich-Erzähler weiß sich als Teil eines intellektuellen Lebens, das um Selbsterkenntnis und Sehnsucht nach Welthaltigkeit kreist, um Fragen der Wahrnehmung, des Verstehens wie auch um solche psychischer Krankheit und künstlerischer Kreativität. Zwar gerät er durch Tragödien ins Wanken, zwar zerbricht sein soziales Gefüge, bei aller Verzweiflung und Vereinsamung bleibt sein Weltbezug aber nahezu unbeschadet, er war und ist ein vernünftiger Mensch, der um die eigenen Grenzen wie um die Grenzen seiner Vernunft weiß.
Rätselhaft düster, ja geziert unwirklich, virtuell, wird die Atmosphäre des Buches erst, als dieser Ich-Erzähler mit einer Gattung Mensch konfrontiert wird, die für ihn unverständlich bleiben muss. Nach dem Tod seines eigenen Sohnes nimmt er sich dessen gleichaltrigen Freundes an, aus Nächstenliebe und zum eigenen Trost. Schon als Kind war der Junge durch Lügen und Schauspielerei aufgefallen und lebt nun ungehemmt in einer Welt der Simulationen. Diese antisoziale Persönlichkeit zeichnet sich aus durch Wandlungsfähigkeit und Charme, pathologisches Lügen, fehlende Einfühlung und Reue, dafür Impulsivität, Gerissenheit und Neigung zur Manipulation, frühe Verhaltensstörungen und die Unfähigkeit, aus Fehlern zu lernen oder auf Strafen zu reagieren. Als psychisch krank muss dem Ich-Erzähler der Junge erscheinen, und doch ahnt er, dass sich in dessen Unfassbarkeit ein allgemeiner Umbruch andeutet, dessen Horizont seine Rationalität nicht absehen kann.
[ Info ] Hustvedt, Siri: Was ich liebte.
Rowohlt Taschenbuch,
2004
.
ISBN: 3-499-23309-6.
Genre: Roman
Stichworte: beispielhaft, beeindruckend
Stil: gut verständlich
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken
Sprachen (Buchtipp): Deutsch
[ 26.09.05 - 14:19 ] [ Kommentar von Klaus Zeyringer ] Faszinierend die Unsicherheit der Intellektuellen-Künstler-Bürger von der Aufklärung her, mit einer Person umzugehen, für die all die fixen Übereinkünfte gar nicht mehr gelten...