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Die Verwandlung

Kafka, Franz

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[ Buchtipp von Freie Bibliothek ] Wie eine Geschichte beginnen? Kafkas Antwort auf dieses Problem ergab einen der genialsten Sätze der Weltliteratur:

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“

Kafka springt sofort in die Handlung und fesselt den Leser ab dem ersten Satz. „Die Verwandlung“ wurde überwiegend als künstlerische Bewältigung des Wahrnehmungsproblems verstanden. Was sich Rezensenten selten eingestehen: Das Problem ist kein kollektives. Es zeigt viel mehr die pathologisch-perverse Wahr-nehmung, oder besser: Ignoranz der spießbürgerlichen Gesellschaft und ihre (Un-)Werte.
Ein „Totalitärist“ opfert Menschen für eine Idee. Ein Faschist opfert ein Volk für ein anderes. Aber der Spießbürger opfert seinen Verstand: er ist wie ein dämlicher Köter, der kompromißlos dem Angenehmen hinterherläuft. Er ist so kurz angebunden, daß ihm jeglicher Überblick abhanden kommt, selbst jenen über seine Handlungsmotivation.
Dass Kafkas Geschichten nie ein Kollektivproblem behandeln, macht jeder einzelne seiner Romane und Erzählungen deutlich. Es ist stets die ungeheuerliche Ohnmacht der dumpfen Masse, die so gefährlich ist in ihrer Dummheit wie ein gequälter, mißhandelter Hund, der selbst seinen Retter zerfleischt –nicht begreifend, daß er sich damit selbst vernichtet.
Die Hässlichkeit, Widerwärtigkeit, das erschreckende Grauen und der unfaßbare Ekel: das ist es, was ich empfinde, wenn ich an den Normalbürger denke. Danke Franz Kafka, daß du ihn so lebensecht verewigt hast!

[ Info ] Kafka, Franz: Die Verwandlung. Reclam, Stuttgart/2001 . ISBN: 3-15-009900-5.


Dieses Buch ist ...

Genre: Erzählende Prosa
Stichworte: erschreckend, ungewöhnlich, meisterhaft
Stil: lehrreich, satirisch
Empfohlen für: Lektüre zum Nachdenken, Lehrstück
Sprachen (Buchtipp): Deutsch


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Manfred Lagler

[ 06.04.06 - 10:48 ] [ Kommentar von Manfred Lagler ] Zwischen dem ersten Satz und dem letzten Satz dieser Geschichte wird mit dem Gefühl der Angst vor der Angst erzählt, so daß im mir oder jungen Betrachter der Gesellschaft das Leben und die Möglichkeit für zukünftige Familiengründungen weiter ausbleiben wird. Die Angst vor dem Tod gilt es nämlich zu überwinden, um neues Leben überhaupt zu ermöglichen.


Margit Strobl

[ 27.02.06 - 19:45 ] [ Kommentar von Margit Strobl ] Die Verwandlung könnte man mitunter als künstlerische Umsetzung von Kierkegaards philosophischem Unbehagen begreifen. Am besten man studiert beides -und nimmt auch noch Martin Buber hinzu.






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