Über Freie Bibliothek
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Name: Freie Bibliothek
Sprache: Deutsch
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Land: CHE
Bücher: 268
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[ Buchtipp von Freie Bibliothek ] Der futurologische Kongreß, an dem Wissenschaftler aus aller Welt, darunter der Raumfahrer Ijon Tichy, teilnehmen, steht dieses Jahr unter keinem guten Stern. Auf der Strasse kämpft eine brutale Militärregierung mit Insurgenten, schon bald werden auch die Teilnehmer des Kongresses in die Kämpfe verwickelt und müssen in die Kanalisation flüchten, um den chemischen Kampfstoffen zu entkommen. Immer wieder verliert Tichy das Bewusstsein, schläft ein oder halluziniert, bis er Wirklichkeit und Einbildung kaum mehr voneinander unterscheiden kann.
Tichy wird nach schweren Verletzungen in Tiefschlaf versetzt und erwacht im Jahre 2039, wo mittlerweile das Zeitalter der Psychemie (Wortschöpfung aus Psyche und Chemie, in der Bedeutung dem heutigen Begriff Neuro-Chemie nicht unähnlich.) angebrochen ist. Alle Sinneseindrücke und Empfindungen werden mit Drogen beeinflusst, es gibt keine Wirklichkeit mehr, die nicht chemisch manipuliert wäre. Besucher eines Kaufhauses etwa, werden schon vor dem Eintreten mittels eines Zerstäubers über der Tür, in eine chemische Wolke gehüllt, welche die entsprechenden Gefühle provoziert und einem in Kauflaune versetzt.
Widerständler gegen das Regime werden gnadenlos mit Nächstenliebe bombardiert, bis sie sich um Schläge bettelnd vor ihren Feinden auf die Knie werfen. Aber die lückenlose Manipulation klappt nicht immer: Auch Polizisten bekommen Prügel, nachdem sich ihre Sauerstoffmasken als durchlässig erwiesen haben, und bitten die Revoluzzer um ein paar zusätzliche Watsch´n.
Ausser minderwertiger Nahrung wird nichts mehr produziert in dieser Welt, wozu auch? Geht man ins Kino, Theater, zur Wahl, ins Freibad oder auf Urlaub, genügt ein sanfter Sprühstoß über der Eingangstür. Man glaubt dann nur noch, man wäre in Urlaub gewesen, hätte einen Film gesehen oder seine Stimme abgegeben. Ist auch billiger. Wozu der Aufwand, eine reale Zivilisation in Betrieb zu halten, wenn die Illusion genauso befriedigt? Und weniger Arbeit macht?
Die meisten Bewohner dieser surrealen Welt scheinen kein Problem zu haben mit dieser Art der Führung. Denn es gibt kaum noch Situationen, in denen man sich aufraffen, anstrengen oder überwinden müsste; die entsprechende Chemie wird die richtige Einstellung schon herbeizaubern!
Die Welt -so wie sie ist- wird nur noch von einigen Auserwählten wahrgenommen: mittels einer Pille, welche sämtliche durch Drogen überlagerte Illusionsschichten abträgt und den Blick frei gibt auf die Wirklichkeit. Aber die will niemand sehen: denn die ist hässlich, stinkt und selbst die Nahrung ist der reinste Dreck. Ohne die ständige, chemische Manipulation des Bewusstseins würde schon längst niemand mehr hier leben wollen. Die echte Welt wurde zur Müllhalde, grau und verdreckt. Der Rest: die Farben und Formen, die Düfte, das alles ist Halluzination.
Ein Lesevergnügen der besonderen Art, weil das Buch in einer völlig irren Welt spielt, die der unseren immer ähnlicher wird.
(Dieser Satz mag sinnwidrig erscheinen, ist er nach dieser Lektüre aber bestimmt nicht mehr.)
[ Info ] Lem, Stanislaw: Der futurologische Kongreß.
Suhrkamp Taschenbuch,
Frankfurt am Main/2004
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ISBN: 3-518-37034-0.
Genre: Roman
Stichworte: innovativ, ungewöhnlich, beeindruckend
Stil: satirisch, experimentell
Empfohlen für: Reiselektüre
Sprachen (Buchtipp): Deutsch